Initiative "Pogrom 91"

Banner

Neonazis bedrohen Demo am 22. September - taeglich Schmierereien am Buero von Bundestagsabgeordneter Caren Lay (Die Linke)

Wie die Kampagne “Rassismus tötet!” auf ihrer Internetseite schreibt, machen Neonazis gegen die antirassistische Gedenkdemonstration “Keine Ruhe für Hoyerswerda” mobil. Seit rund drei Wochen kursiere auf sozialen Netzwerken ein Aufruf, der ankündigt, dass man den „Linken Zecken“ zeigen wolle, „das Hoyerswerda in nationaler Hand bleibt“. „Wir werden keine Mühe scheuen die linken Idioten an ihrem Aufmarsch zu hindern oder eine spontane Gegendemo zu initiieren […] Wir müssen hier unbedingt ein Zeichen setzen, damit Hoyerswerda nicht im roten Sumpf unserer Volksverräter untergeht.“, hieß es aus Kreisen der Neonazis. In der Innenstadt ist zudem der Schriftzug „Aufmarsch am 22.09. verhindern! NS Hoy“ zu lesen.

Caren Lay, Bundestagsabgeordnete für die Linkspartei, schildert in einer Pressemitteilung zwei Tage vor der Demonstration "Keine Ruhe für Hoyerswerda" die Zustände, mit denen Sie sich in Hoyerswerda konfrontiert sieht:

Täglich Nazischmierereien am Bürgerbüro der LINKEN in Hoyerswerda

Zu den vermehrten Übergriffen auf ihr Bürgerbüro in Hoyerswerda erklärt die Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Parteivorsitzende der LINKEN, Caren Lay:

Mein Büro ist in den letzten 2 Wochen mehr als zehnmal Ziel von rechten Angriffen geworden. Diese reichen vom Anbringen von Aufklebern von “Autonome Nationalisten Hoyerswerda” und “Freies Netz” über das Besprühen des Briefkastens bis hin zu Hakenkreuz-Schmierereien auf den Fensterscheiben.

Unter diesem Gesichtspunkt ist es unbegreiflich, dass der Überfall vom 2. Mai dieses Jahres auf mein Büro verharmlost wird. Während einer Beratung mit einer örtlichen Initiative wurde am hellichten Tage von Jugendlichen mein Wahlkreisbüro angegriffen und der Hitlergruß gezeigt. Dieser Vorfall wurde und wird von den zuständigen Polizeibehörden als nicht rechtsmotiviert eingestuft. Diese auch in der Presse verlautbarten Äußerungen, die einen politischen Hintergrund ausschließen, sind indiskutabel. Die Behörden dürfen bei ihrer Beurteilung dieser und ähnlicher Zwischenfälle auf dem rechten Auge nicht blind sein.

Auch diese Vorkommnisse mahnen uns weiter: keinen Fußbreit den Faschisten. Wir werden uns in unserer politischen Arbeit vor Ort nicht einschüchtern lassen.

Pressemitteilung: Bundesweite Aktionen zum 21. Jahrestag von Hoyerswerda - Kritik an morgen erscheinender Erklaerung des Stadtrats

Antirassistische Gruppen haben am gestrigen Montag bundesweit mit Aktionen an den 21. Jahrestag des rassistischen Pogroms von Hoyerswerda erinnert. In Berlin, Dresden und Göttingen wurden Videokundgebungen veranstaltet, bei denen auf öffentlichen Plätzen Filmszenen aus Hoyerswerda gezeigt wurden. In Paderborn, Rostock und Cottbus fanden Vorträge statt.

Am morgigen Mittwoch erscheint eine gemeinsame Erklärung aller Fraktionen des Stadtrates und des Oberbürgermeisters mit der Überschrift „Hoyerswerda ist und bleibt ein Ort der Vielfalt“. In dem Schreiben weisen die Stadträte auf die zahlreichen „Projekte, Aktionen und Initiativen – für Demokratie, Toleranz und Vielfalt, gegen Rechtsextremismus und Ausländerhass“ hin, die in Hoyerswerda bestünden. In dem Brief heißt es außerdem: „Ganz entschieden wenden wir uns aber gegen die Bezeichnung als Pogrom, da dieser Begriff fest mit der Schreckensherrschaft des Nationalsozialismus verbunden ist.“ Überregionale Medien und Aktionsgruppen würden „die Stadt Hoyerswerda und uns alle (…) verunglimpfen“.

Daran kritisiert Mathias Buchner von der Initiative „Pogrom 91“: „Uns freut jedes Engagement gegen Neonazis und Rassismus. Wir machen darüber hinaus nicht jeden einzelnen Bürger Hoyerswerdas für die Ereignisse von 1991 oder für aktuelle Neonaziprobleme verantwortlich. Allerdings wollen wir daran erinnern, dass es 1991 hunderte vermeintlich ganz normaler Hoyerswerdaer waren, die vor den Heimen applaudierten und tausende Andere untätig zu- oder wegsahen. Wir fragen den Stadtrat, warum ausgerechnet die Kritik von Medien und antirassistischen Gruppen am Umgang mit 1991 der Anlass für eine fraktionsübergreifende Erklärung ist? Schließlich war den Stadträten die Bedrohung von Jugendlichen der Linksjugend Ende August von einer mit einem Messer bewaffneten Gruppe Neonazis keine Stellungnahme wert. Ebenso wenig der erneute Angriff von Neonazis auf drei Betroffene von 1991, die im vergangen Jahr zu Gast waren. Wir fragen die Ratsabgeordneten außerdem, warum sie sich und ihre Bürger kollektiv gegen die Kritik am Umgang mit 1991 verteidigen, ohne sich dabei von den Tätern von 1991 und den Neonazis von heute zu distanzieren. Neonazis und Rassisten werden dadurch heute wie damals in die Gemeinschaft der Bürger der Stadt mit eingeschlossen, die es gegen vermeintliche Kritik von Auswärtigen zu verteidigen gilt. Ein solches Denken hat Ereignisse wie 1991 mit ermöglicht. Wir kritisieren, dass Engagement gegen Rechts nur so lange gern gesehen wird, wie es für die Standortaufwertung nützlich ist. Ohne Rückhalt ist dagegen, wer sich in seiner Kritik am Umgang mit rechter und rassistischer Gewalt gegen politische und zivilgesellschaftliche Akteure oder die Polizei richtet, die oft nicht entschlossen genug reagieren. In unserer Jugend in Hoyerswerda wurden stets wir als antifaschistische Jugendliche als Nestbeschmutzer angesehen – und nicht die Nazis, die uns jagten.“

„Pogrom 91“ und „Rassismus tötet!“ berufen sich bewusst auf den Begriff Pogrom, denn er ist nicht auf die Zeit des Nationalsozialismus beschränkt. So heißt es in der Online Enzyklopädie Wikipedia: „Ein Pogrom ist die gewaltsame Ausschreitung gegen Menschen, die entweder einer abgrenzbaren gesellschaftlichen Gruppe angehören oder aber von den Tätern einer realen bzw. vermeintlichen gesellschaftlichen Gruppe zugeordnet werden.“ Dass die Stadt den Begriff des rassistischen Pogroms ablehnt, ist eine Relativierung und Verharmlosung der Ereignisse von 1991.

Informationen:

www.rassismus-toetet.de
http://pogrom91.tumblr.com/demo

Pressekontakt:

Mathias Bucher (Pressesprecher Initiative “Pogrom 91”)
Mail:pogrom91[at]fastmail.net
Pressetelefon: +4917698443418

Martin Peters (Pressesprecher „Rassismus tötet“)
Mail: rassismus_toetet[at]riseup.net
Tel: 015784626097

Unterstuetzung fuer Denkmalforderung von Mitglied des Landesvorstand der Linkspartei Sachsen

Jens Thöricht, Mitglied des Landesvorstands der Linken.Sachsen unterstützt die Forderung der Initiative "Pogrom 91" und der Kampagne "Rassismus tötet!" nach einem Denkmal an das rassistische Pogrom von 1991 in Hoyerswerda und der Entschädigung der Betroffenen.

Denkmal, welches an rassistische Pogrome in Hoyerswerda erinnert, errichten / Opfer entschädigen

Für den 22. September 2012 mobilisiert die Initiative “Pogrom 91” aus Hoyerswerda und die bundesweite Kampagne „Rassismus tötet“ überregional zu einer antifaschistischen Demonstration in Hoyerswerda anlässlich des 21. Jahrestages der rassistischen Pogrome.

Jens Thöricht, Mitglied des Vorstandes der LINKEN. Sachsen, unterstützt die Forderung, dass die Ereignisse im Jahr 1991 auch von der Stadt endlich als das anerkannt werden, was sie waren: Rassistische Pogrome.

“Im September 2011 demonstrierten mehr als 300 Menschen in Hoyerswerda gegen Rassismus und forderten die dauerhafte Aufstellung eines Denkmals, welches an die Pogrome erinnert. Diese Forderung ist nach wie vor aktuell”, so Thöricht.

Der Kreisvorsitzende der LINKEN. Bautzen Sven Scheidemantel unterstreicht die Forderung nach einer Entschädigung für die Betroffenen. “Nach 21 Jahren wird es Zeit, dass sich die Stadt wie auch der Landkreis damit dafür entschuldigt, den rassistischen Ausschreitungen im Jahr 1991 nicht sofort entgegengetreten zu sein.”

Die Demonstration startet am 22.September 15 Uhr am Bahnhofsvorplatz in Hoyerswerda. “Zu dieser sind alle Menschen, die unser Anliegen teilen, herzlich eingeladen”, so Thöricht.

Link: Pressemitteilung von Jens Thöricht

Dem Mob entgegen. Erinnerung an 1992 in Quedlinburg.

Erinnerungen aus Quedlinburg in Sachsen-Anhalt. Ähnlich wie in Hoyerswerda griff dort ein rassistischer Mob im September 1992 die BewohnerInnen eines Asylsuchendenheims an. In Hoyerswerda hatten nur vereinzelte BürgerInnen versucht, die Betroffenen zu unterstützen. In der Stadt in Sachsen-Anhalt hatten sich dagegen 30 Quedlinburger schützend vor die Unterkunft der Flüchtlinge gestellt. Der Mob hatte dennoch gesiegt: auf Anweisung des Innenministers von Sachsen-Anhalt wurde das Haus der Asylsuchenden geräumt.

Pressemitteilung: Demonstration “Keine Ruhe fuer Hoyerswerda” in Erinnerung an das rassistische Pogrom von 1991

Die Initiative “Pogrom 91” aus Hoyerswerda und die bundesweite Kampagne „Rassismus tötet“ haben für den 22.September eine antifaschistische Demonstration unter dem Motto „Keine Ruhe für Hoyerswerda“ angemeldet.

Im September 1991 griffen Neonazis unter Mithilfe und Applaus vieler Bürger_innen zwei Wohnheime von Vertragsarbeiter_innen und Asylsuchenden im sächsischen Hoyerswerda an.Mehrere hundert Menschen belagerten die Unterkünfte fünf Tage lang, bis die Stadt alle Heimbewohner_innen aus der Stadt deportierte. Rassistische Bürger_innen und aktive Neonazis feierten Hoyerswerda als erste „ausländerfreie“ Stadt.

"Rassismus tötet" und die Initiative "Pogrom 91" fordern, dass die Ereignisse von Hoyerswerda auch in der Stadt selbst als rassistisches Pogrom anerkannt werden. Bisher verweigert sich die Stadt Hoyerswerda konsequent die rassistischen Angriffe als Pogrom zu bezeichnen: auf Veranstaltungen zum 15. und 20. Jahrestag war auf zeitweise aufgestellten Gedenkstelen von "extremistischen Ausschreitungen" zu lesen. Diese Bezeichnung relativiert die Ereignisse und verschweigt die rassistischen Motive der Täter_innen.

Bei einer Gedenkdemonstration der Initiative “Pogrom 91” im vergangenen Jahr störte eine Gruppe gröhlender Neonazis eine Schweigeminute, die Polizei schritt nicht ein. Dafür zeigte sie sich umso entschlossener bei der Verfolgung von Antifaschist_Innen wegen vermeintlicher Vermummung: u.a. wurde ein Demonstrationsteilnehmer angezeigt, weil er sich seine Hand vor sein Gesicht gehalten hatte. Damit wollte er sich vor Nazis schützen, welche die Demonstrierenden abfotografierten. Mit der Demonstration in diesem Jahr soll auf die sächsischen Zustände aufmerksam gemacht und der Kriminalisierung von Antifaschist_innen entgegegetreten werden. Da die Stadt Hoyerswerda und das Land Sachsen mit Repression auf das Anliegen des Gedenkens setzten und die Mehrheitsgesellschaft in Hoyerswerda nach wie vor rassistisch ist, wird die Demonstration unter dem Motto „Keine Ruhe für Hoyerswerda“ stattfinden.

Die Forderungen der Initiative „Pogrom 91“ und der Kampagne „Rassismus tötet“ sind ein dauerhaftes Denkmal welches an das Pogrom erinnert sowie eine Entschädigung für die Betroffenen des rassistischen Pogroms von 1991.

Es wird überregional für die Demonstration mobilisiert. In mehreren Städten finden bereits Informationsveranstaltungen statt.

Informationen:
www.rassismus-toetet.de
http://pogrom91.tumblr.com/demo

Pressekontakt:

Mathias Bucher (Pressesprecher Initiative “Pogrom 91”)
Ḿail:pogrom91[at]fastmail.net
Pressetelefon: +4917698443418

Martin Peters (Pressesprecher „Rassismus tötet“)
Mail: rassismus_toetet[at]riseup.net
Tel: 015784626097

Hoyerswerda bleibt braun

Neonazis haben in Hoyerswerda in der vergangenen Woche Mitglieder der linksjugend [‘solid] Sachsen bedroht. Die Jugendlichen, die mit einem Infostand unter anderem auf den Jahrestag des rassistischen Pogroms von 1991 aufmerksam machen wollten, wurden als “Scheiß Zeckenpack” beleidigt, einer der Neonazis zog ein Messer. Die Polizei erschien erst 20 Minuten später. Die angereisten Jugendlichen wurden mit „Verpisst euch – Hoyerswerda bleibt Braun“ - Rufen aus der Stadt verabschiedet.

Quelle: Linksjugend Sachsen.

Am 22.09.2012 nach Hoyerswerda! Demonstration: Keine Ruhe fuer Hoyerswerda! Gegen rassistische Zustaende! Fuer ein Denkmal und die Entschaedigung der Betroffenen des Pogroms von 1991!

Demo: 22. September 2012 | Hoyerswerda
14.00 Uhr | Bahnhofsvorplatz

„Wir haben in der Welt Millionen von potentiellen Asylbewerbern und mit denen können wir so, wie wir es gegenwärtig machen, nicht fertig werden.“ (Edmund Stoiber, CSU im ARD Brennpunkt, September 1991)

Im September 1991 griffen Neonazis unter Mithilfe und Applaus vieler Bürger_innen zwei Wohnheime von Vertragsarbeiter_innen und Asylsuchenden im ostsächsischen Hoyerswerda an. Mehrere hundert Menschen belagerten die Unterkünfte fünf Tage lang, bis schließlich alle Heimbewohner_innen aus der Stadt gebracht wurden. Nationale und internationale Medien berichteten über die Geschehnisse. Die „Evakuierung“ aller Bewohner_innen der Heime wurde nicht nur in Hoyerswerda selbst von vielen als „Erfolg“ gewertet. Die Angriffe bildeten damit den Startschuss für eine jahrelang anhaltende Welle der rassistischen Gewalt im wiedervereinigten Deutschland, die neben hunderten Verletzten zahlreiche Todesopfer forderte.

Hier weiterlesen.