Initiative "Pogrom 91"

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Versteinertes Versagen - Tuer zu!

21 Jahre nach den pogromartigen Ausschreitungen gegen die Wohnunterkünfte von Asylsuchenden und VertragsarbeiterInnen soll nun in Hoyerswerda ein dauerhaftes Denkmal an die rassistische Gewalt entstehen. Anstatt jedoch an die Betroffenen von damals zu erinnern und sich einer kritischen Aufarbeitung und der eigenen Rolle zu widmen, lässt sich die Stadt eine „Offene Tür“ als Symbol für ihre „Gastfreundschaft“ zimmern.

Hoyerswerda kann ein positives Presseecho derzeit gut gebrauchen. Seit Monaten steht die Stadt einmal mehr auf Grund nicht abreißender Übergriffe auf alles, was irgendwie links scheint, im Fokus der Öffentlichkeit. Spätestens nachdem ein junges Pärchen im Oktober nach einem „Hausbesuch“ von etwa 15 Neonazis aus der Stadt flüchten musste, weil die Polizei sie nach eigener Auskunft nicht schützen konnte, fühlen sich Einige in die 90iger Jahre zurückversetzt.

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Kritik an Entscheidung des Stadtrats zu Denkmal an 1991 in Hoyerswerda

Im vergangenen Jahr hatte die Stadt Hoyerswerda einen Wettbewerb für den Entwurf eines Denkmals an 1991 ausgeschrieben. Auch die Initiative „Pogrom 91“ beteiligte sich daran. Weil sich die Gruppe seit zwei Jahren mit dem Thema 1991 beschäftigt, wird darüber wieder in Hoyerswerda diskutiert, nachdem das rassistische Pogrom von 1991 in der Stadt in Vergessenheit geraten war.

Der Stadtrat von Hoyerswerda entschied sich für die Umsetzung des Entwurfs „Offene(s) Tür (Tor)“. Die Stadt schrieb dazu auf ihrer Internetseite: „In dem Wettbewerbsbeitrag von Frau Martina Rohrmoser-Müller steht das Symbol ,Offene Tür, offenes Tor‘ für Gastfreundschaft, offenes Herz, Gäste seid willkommen. Mit dem Regenbogen werden Aussöhnung, Freundschaft und Frieden symbolisiert.“ Von einem kritischen Umgang mit nach wie vor bestehenden Problemen mit Neonazis und Rassismus in der Stadt und der Anerkennung der Ereignisse von 1991 als rassistisches Pogrom, ist nichts zu lesen. Schließlich stimmte auch der NPD-Stadtrat von Hoyerswerda für den Entwurf „Offene(s) Tür (Tor)“.

In Hoyerswerda regt sich Widerspruch gegen die Entscheidung des Stadtrats, und die Art und Weise wie der Siegerentwurf gewählt wurde. Pfarrer Jörg Michel, Sprecher der Initiative Zivilcourage, forderte am 30. Januar auf Seite 1 des Wochenkuriers (Auflage 36.600), dass alle Denkmalsentwürfe veröffentlicht werden sollten. In dem Beitrag wurde darüber hinaus das Denkmal der Initiative „Pogrom 91“ vorgestellt.

Wochenkurier,30.01.,S.1
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Stimmen aus Hoyerswerda nach dem Ueberfall auf Ronny und Monique

Einige Wochen nach dem Überfall auf Ronny und Monique, über den u.a. der Spiegel, die Welt und der Tagesspiegel berichtete, war das RBB-Fernsehen nochmals in der Stadt. Für die deutsch-polnische Sendung “Kowalski & Schmidt” interviewte der Sender Kristin Hofmann, die Wahlkreismitarbeiterin für Hoyerswerda der Bundestagsabgeordneten Caren Lay (Die Linke), Marianne Thum von der Opferberatung RAA Sachsen und Jörg Michel, den Pfarrer der Martin Luther King Kirche in Hoyerswerda.

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Andreas, ein Betroffener von Hoyerswerda 1991, berichtet

Waltraud Spill, Gründerin des Vereins Projektarbeit Mosambik aus Hoyerswerda, übergab der Initiative „Pogrom 91“ drei von ihr aufgezeichnete Berichte von Betroffenen des rassistischen Pogroms von 1991 in Hoyerswerda. In einem ersten hier veröffentlichten Text erzählt Andreas seine Geschichte. Er kam 1981 in die DDR und gehörte zu den VertragsarbeiterInnen aus Mosambik, die 1991 vom rassistischen Mob aus Hoyerswerda vertrieben wurden.

Gespraech vom 18.10.1991 mit Andreas, 32 Jahre, Eltern, sechs Geschwister. Abreise: 20.10.1991.

1980 hätte ich nach Kuba gehen können. Dorthin wollte ich nicht.

Dann sagte die Regierung, du kannst in die DDR.

Am 22. September 1981 kam ich in Berlin an. Im Wohnheim am Tierpark lernte ich Deutsch, im Meliorationskombinat lernte ich Landmaschinenschlosser und Maschinist. Die Zeit in Berlin war sehr schön. Wir gingen in das Cafe Moskau, Cafe Nord, in die Disco nach Marzahn und in die Gaststätte am Tierpark tanzen. Es gab im Grunde keine Probleme mit den Deutschen. Auch bei der Arbeit nicht, wir waren dort vier Afrikaner.

In der Disco lernte ich eine junge Dame kennen. Wir waren eineinhalb Jahre befreundet, da bekamen wir ein Baby. Unsere Tochter wurde am 12. Dezember 1983 geboren. Ich wohnte mit beiden in einer Wohnung.

Mein Vertrag lief nach vier Jahren aus, ich musste zurück nach Mosambik. Bald aber hatte ich wieder die Möglichkeit, in die DDR zu fahren. Ich war wieder in Berlin. Ich arbeitete im Flugzeugpropellerwerk. Ich habe wieder bei meiner Familie gewohnt.

Ich hörte, dass man im Bergbau durch Schichtarbeit mehr Geld verdienen kann. So meldete ich mich dafür in der Botschaft. Im Mai 1988 habe ich im BKW Welzow in der Entwässerung angefangen zu arbeiten. …

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Mittwoch, 28.11., 13 Uhr: Polizei, Land und Zivilgesellschaft diskutieren ueber Neonazis in Hoyerswerda

Nach dem Übergriff auf eine Antifaschistin und einen Antifaschisten aus Hoyerswerda, bei welchem die Polizei untätig zusah, und nach welchem die Betroffenen die Stadt verlassen mussten, findet am heutigen Mittwoch eine Diskussionsveranstaltung zu Neonazis in Hoyerswerda statt. An der Diskussion nehmen der sächsische Landespolizeipräsident, der Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz, der Oberbürgermeister von Hoyerswerda sowie Vertreter der Zivilgesellschaft teil. Dazu wurde auf der offiziellen Internetseite des Landes Sachsen folgende Einladung veröffentlicht:

Lokales Aktionsforum in Hoyerswerda am 28. 11. 2012

Am Mittwoch, den 28. November 2012 um 13.00 Uhr findet im Neuen Rathaus im Sitzungssaal des Stadtrates in Hoyerswerda das Lokale Aktionsforum Hoyerswerda statt, zu dem wir Sie herzlich einladen. Thema der Veranstaltung ist die Einschätzung und Bewertung der aktuellen Lage beim Thema Rechtsextremismus in Hoyerswerda. Im Podium werden hierzu der Landespolizeipräsident Rainer Kann, der Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz Gordian Meyer-Plath, der Oberbürgermeister von Hoyerswerda Herr Stefan Skora sowie Vertreter der lokalen zivilgesellschaftlichen Organisationen Rede und Antwort stehen.

Im Anschluss daran findet ein Pressegespräch statt, zu dem wir ebenfalls herzlich einladen.

Termin: Mittwoch, den 28.11.2012
Ort: Neues Rathaus, Hoyerswerda, Sitzungssaal
Salomon-Gottlob-Frentzel-Straße 1, 02977 Hoyerswerda
Beginn: 13.00 Uhr

Nach Naziangriff: Betroffene muessen die Stadt verlassen - Polizei will sie nicht schuetzen

Vor einigen Wochen haben Neonazis ein junges Paar in ihrer Wohnung bedroht. Die Polizei war vor Ort, hat zugeschaut und nicht eingegriffen.

Wie das MDR Magazin exakt berichtete, sind die beiden Betroffenen daraufhin aus Hoyerswerda geflüchtet. Die Polizei in Hoyerswerda ist nicht bereit, sie vor weiteren Naziangriffen zu schützen. Das Paar wird nach der Bedrohung vor der eigenen Wohnungstür nicht wieder in die Stadt zurückkehren und muss sich einen neuen Wohnort suchen.

"Die Polizei hat darauf gedrängt, dass wir weggebracht werden, dass hier Ruhe reinkommt, so waren die Worte”, berichtete einer der Betroffenen gegenüber dem MDR. “Man fühlt sich wirklich wie zurückversetzt nach 1991, wo ich Kind war und es nicht verstanden habe, warum die Täter nicht festgenommen und aus der Stadt gebracht wurden, sondern die Asylanten, die in der Situation die Hilfe brauchten. Und so ist es auch bei uns. Wir wurden einfach weggeschickt, das Problem einfach weggeschoben”, sagte eine der Betroffenen.

Über den Angriff, die Situation der beiden Betroffenen und die Toleranz der Polizei gegenüber Nazigewalt berichteten auch Alternative Dresden News, Welt Online und Neues Deutschland Online.

Initiative Pogrom 91 reicht Denkmalsentwurf bei Stadt Hoyerswerda ein

Foto

Die Initiative “Pogrom 91” hat am heutigen 30. Oktober 2012 einen Denkmalsentwurf in Erinnerung an das rassistische Pogrom von 1991 an die Stadt Hoyerswerda verschickt. Damit beteiligt sich “Pogrom 91” an einem von der Stadt ausgeschriebenen künstlerischer Wettbewerb unter dem Motto: „Hoyerswerda vergisst nicht – wir erinnern“.

Im Entwurf von “Pogrom 91” heißt es:

Die Erinnerung an die Ereignisse vom September 1991 soll an den Orten sichtbar sein, an welchen sich die rassistischen Angriffe von 1991 ereignet haben. Es soll deshalb zwei Orte des Erinnerns geben: den Standort des ehemaligen Asylsuchendenheims in der Thomas-Müntzer-Straße und das ehemalige Wohnheim der Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter in der Albert-Schweitzer-Straße. Der Gedenkort am ehemaligen VertragsarbeiterInnenheim soll jedoch nicht im Wohngebiet auf der Albert-Schweitzer- Straße, sondern an der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße errichtet werden.

Inhaltlicher Kern an beiden Gedenkorten sind Stelen mit der Aufschrift:

In Erinnerung an das rassistische Pogrom von Hoyerswerda im September 1991.

September 1991: Tagelang griffen Nazis und BürgerInnen Hoyerswerdas zwei Wohnheime von VertragsarbeiterInnen und Asylsuchenden mit Steine, Flaschen und Molotowcocktails an – bis diese schließlich evakuiert werden mussten. Die BewohnerInnen der Heime mussten während der Angriffe um ihr Leben fürchten.

Der Text soll auf transparente Flächen gedruckt werden. Die durchsichtige Gestaltung soll einen Blick auf die Orte des Geschehens ermöglichen, um gedanklich einen Bezug zum hier und jetzt zu unterstützen. „Würde ich einschreiten, wenn ich eine rassistische Gewalttat beobachte?“, „Wie reagiere ich heute, wenn ich rassistische Äußerungen vernehme?“ oder „Wie geht es den Betroffenen von 1991 eigentlich heute?“, soll sich der Betrachter oder die Betrachterin fragen. In das Denkmal sind ein Stein und die Scherbe einer Flasche mit eingearbeitet, sie stehen symbolisch für die Steine und Molotowcocktails, mit denen die Nichtdeutschen in ihren Häusern angegriffen wurden. Die Initiative „Pogrom 91“ hat bereits im Jahr 2011 eine solche Stehle entworfen, ein Foto finden Sie im Anhang der Bewerbung.

Neben den Stelen sollen die Gedenkorte um eine Dimension erweitert werden, welche sie zu „Stolpersteinen“ machen. Es sollen zwei Orte entstehen, an denen spürbar ist, dass sich Geschichte mit drastischen Folgen ereignet hat. Hierfür sollen die Straße und die Fußwege vor den Gedenkstehlen in der Dr.-Wilhelm-Külz-Straße und in der Thomas-Müntzer-Straße mit gefärbten Bremsschwellen ausgelegt werden. Damit soll der Verkehr vor den beiden Orten der Angriffe von 1991 gebremst werden. Auf beiden Straßen sollen sieben dieser Schwellen errichtet werden – eine für jeden Tag des rassistischen Pogroms, welches sich vom 17. September bis zum 23. September 1991 ereignete.

Diskussion am Montag in Hoyerswerda: Richtig Gedenken - aber wie?

Am 22. Oktober 2012 findet 18 Uhr eine Diskussionsrunde zu dem Thema “Hoyerswerda - Richtig Gedenken - aber wie?” im Büro der linken Bundestagsabgeordneten Caren Lay in Hoyerswerda (Dietrich-Bonhoeffer-Str.4) statt.

Die Initiative “Pogrom 91” organisierte bereits zwei antirassistischen Demonstrationen in Hoyerswerda um ihre Forderung nach einem Denkmal und die Entschädigung der Betroffenen zu unterstreichen. Sind diese Forderungen berechtigt und ist dies der richtige Weg? Darüber diskutieren mit dem interessierten Publikum MdB Caren Lay (Fraktion DIE LINKE im Bundestag), MdL Heiderose Gläß (Fraktion DIE LINKE im Sächsischen Landtag), Ralf Haenel (Fraktion DIE LINKE im Stadtrat Hoyerswerda), Jens Thöricht (Mitglied des Vorstandes der LINKEN. Sachsen) und ein Vertreter der Initiative “Pogrom 91”.

Hinweis:
Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechten Parteien oder Organisationen angehören, der rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige Menschen verachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Neonazis bedrohen Paar in Hoyerswerda in ihrer Wohnung - Polizei schaute zu

Wie die Lausitzer Rundschau berichtete versuchten in der vergangenen Woche Neonazis in Hoyerswerda in die Wohnung eines Paares einzubrechen, welches laut der Zeitung “dem linken Spektrum angehört”.

Der Initiative “Pogrom 91” wurde ein Augenzeugenbericht zugeschickt:

Am Abend des 17.10.2012 versuchten sich in Hoyerswerda ca. 15 einschlägig bekannte Neonazis, gewalttätig Zugang zu einem Haus zu verschaffen, um eine darin lebende Person anzugreifen. Dabei schallten die üblichen rechten Parolen durch die Straßen. Die daraufhin alarmierte Polizei traf mit 7 Beamten ein, die aber in das Geschehen aufgrund von Selbstgefährdung nicht eingriffen. Die Person wurde unter den Augen der Polizei, weiterhin bedroht und beleidigt.

Die rechte Gruppe hätte im Hausflur des Paares die Glühbirnen herausgedreht, um im Dunkeln angreifen zu können, berichtete Staatsanwalt Christopher Gerhardi der Lausitzer Rundschau. Die Polizei notierte sich nach dem Übergriff die Personalien von elf Neonazis aus der Region, meldete die Deutsche Presse-Agentur dpa.