Initiative "Pogrom 91"

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Initiative Pogrom 91 im Interview bei RE:GUBEN

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Die Gruppe RE:GUBEN beschäftigt sich mit dem Tod des Asylsuchenden Farid Guendoul. Farid starb am 13. Februar 1999 auf der Flucht vor einer Gruppe Neonazis in Guben. RE:GUBEN beleuchtet auf vielfältige Weise, welche Folgen der Tod von Farid Guendoul fast eineinhalb Jahrzehnte nach der Tat hat. “Was geschah in jener Nacht? Wie wurde mit der Tat umgegangen? Wie kann Gedenken gestaltet werden? Wie reagieren Politik und Gesellschaft?” lauten die zentralen Fragen der Gruppe.

Ähnliche Fragen stellt auch die Initiative “Pogrom 91” zum rassistischen Pogrom von 1991 in Hoyerswerda. Alexandra Klei von RE:GUBEN interviewte deshalb zwei Mitglieder der Initiative “Pogrom 91” und sprach mit ihnen über den Umgang mit den Ereignissen und die Erinnerung an die Opfer in Hoyerswerda.

Das Interview erschien in zwei Teilen. Der erste steht unter der Überschrift "Das einzige Opfer, das man in Hoyerswerda sieht, ist Hoyerswerda selbst". Den zweiten Teil veröffentlichte RE:GUBEN mit dem Titel "Die sich sich sicher, in dem was sie machen und wie sie die Ereignisse von 1991 bewerten" veröffentlicht. Beide Texte können auf re-guben.de gelesen werden.

(Foto: PM Cheung)

Zeitschrift von Rassismus Toetet mit Text der Initiative Pogrom 91 - Antirassistische Aktionstage 11. bis 18. Mai 2013

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In dieser Woche lohnt sich der Weg zum Zeitungskiosk, denn am gestrigen Donnerstag, den 02. Mai, erschien die neueste Ausgabe der Wochenzeitung Jungle World mit einem Extra: einer 24-seitigen Beilage der Kampagne "Rassismus tötet!". Die Zeitschrift erscheint mit einer Gesamtauflage von 60.000 Exemplaren und liegt auch der Monatszeitung Graswurzelrevolution bei. Von der Initiative „Pogrom 91“ wurde der Text „Versteinertes Versagen – Tür zu“ abgedruckt.

Mit der Zeitschrift mobilisiert die Kampagne “Rassismus tötet!” für ihre Antirassistischen Aktionstage, die in Leipzig, Erfurt, Nürnberg und Berlin veranstaltet werden. Auf Stadtrundgängen, Kundgebungen, Vorträgen, Diskussionen und Workshops geht es u.a. um die rassistische Asylpolitik in Deutschland, Antiziganismus, die Unterbringung von Asylsuchenden in Lagern und Rassismus im Alltag.

Anschließend an die Aktionstage finden am 25. Mai zwei bundesweite antirassistische Demonstrationen in Berlin und Solingen statt. Die Initiative "Fight Racism now!" ruft in Berlin zu einer Demo anlässlich des 20. Jahrestages der faktischen Abschaffung des Grundrechts auf Asyl auf, parallel wird in Solingen an den rassistischen Mordanschlag von 1993 erinnert. Die Kernforderungen von “Fight Racism now!” lauten: „Alle Abschiebungen sofort stoppen! Residenzpflicht abschaffen! Alle Lager sofort schließen!“.

Hier kann die Zeitschrift online gelesen und heruntergeladen werden.

Initiative Pogrom 91 auf facebook

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Die Initiative “Pogrom 91” hat es nach über zwei Jahren auch zu einer eigenen facebook-Seite geschafft. Neuigkeiten zur Arbeit der Gruppe gibt es ab sofort hier: http://www.facebook.com/hoyerswerda.1991. Nachrichten zu den Themen Hoyerswerda, Rassismus und Asylpolitik in Deutschland gibt es weiterhin auch auf unserem Twitter-Account @InitiativeP91. Nachdem unsere Internetseite wochenlang abgeschalten war, ist auch http://pogrom91.tumblr.com wieder online. Tumblr hatte unsere Seite vom Netz genommen, offensichtlich ein Versehen, denn nach einigen Mails haben wir die Seite nun zurück.

Versteinertes Versagen - Tuer zu!

21 Jahre nach den pogromartigen Ausschreitungen gegen die Wohnunterkünfte von Asylsuchenden und VertragsarbeiterInnen soll nun in Hoyerswerda ein dauerhaftes Denkmal an die rassistische Gewalt entstehen. Anstatt jedoch an die Betroffenen von damals zu erinnern und sich einer kritischen Aufarbeitung und der eigenen Rolle zu widmen, lässt sich die Stadt eine „Offene Tür“ als Symbol für ihre „Gastfreundschaft“ zimmern.

Hoyerswerda kann ein positives Presseecho derzeit gut gebrauchen. Seit Monaten steht die Stadt einmal mehr auf Grund nicht abreißender Übergriffe auf alles, was irgendwie links scheint, im Fokus der Öffentlichkeit. Spätestens nachdem ein junges Pärchen im Oktober nach einem „Hausbesuch“ von etwa 15 Neonazis aus der Stadt flüchten musste, weil die Polizei sie nach eigener Auskunft nicht schützen konnte, fühlen sich Einige in die 90iger Jahre zurückversetzt.

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Kritik an Entscheidung des Stadtrats zu Denkmal an 1991 in Hoyerswerda

Im vergangenen Jahr hatte die Stadt Hoyerswerda einen Wettbewerb für den Entwurf eines Denkmals an 1991 ausgeschrieben. Auch die Initiative „Pogrom 91“ beteiligte sich daran. Weil sich die Gruppe seit zwei Jahren mit dem Thema 1991 beschäftigt, wird darüber wieder in Hoyerswerda diskutiert, nachdem das rassistische Pogrom von 1991 in der Stadt in Vergessenheit geraten war.

Der Stadtrat von Hoyerswerda entschied sich für die Umsetzung des Entwurfs „Offene(s) Tür (Tor)“. Die Stadt schrieb dazu auf ihrer Internetseite: „In dem Wettbewerbsbeitrag von Frau Martina Rohrmoser-Müller steht das Symbol ,Offene Tür, offenes Tor‘ für Gastfreundschaft, offenes Herz, Gäste seid willkommen. Mit dem Regenbogen werden Aussöhnung, Freundschaft und Frieden symbolisiert.“ Von einem kritischen Umgang mit nach wie vor bestehenden Problemen mit Neonazis und Rassismus in der Stadt und der Anerkennung der Ereignisse von 1991 als rassistisches Pogrom, ist nichts zu lesen. Schließlich stimmte auch der NPD-Stadtrat von Hoyerswerda für den Entwurf „Offene(s) Tür (Tor)“.

In Hoyerswerda regt sich Widerspruch gegen die Entscheidung des Stadtrats, und die Art und Weise wie der Siegerentwurf gewählt wurde. Pfarrer Jörg Michel, Sprecher der Initiative Zivilcourage, forderte am 30. Januar auf Seite 1 des Wochenkuriers (Auflage 36.600), dass alle Denkmalsentwürfe veröffentlicht werden sollten. In dem Beitrag wurde darüber hinaus das Denkmal der Initiative „Pogrom 91“ vorgestellt.

Wochenkurier,30.01.,S.1
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Stimmen aus Hoyerswerda nach dem Ueberfall auf Ronny und Monique

Einige Wochen nach dem Überfall auf Ronny und Monique, über den u.a. der Spiegel, die Welt und der Tagesspiegel berichtete, war das RBB-Fernsehen nochmals in der Stadt. Für die deutsch-polnische Sendung “Kowalski & Schmidt” interviewte der Sender Kristin Hofmann, die Wahlkreismitarbeiterin für Hoyerswerda der Bundestagsabgeordneten Caren Lay (Die Linke), Marianne Thum von der Opferberatung RAA Sachsen und Jörg Michel, den Pfarrer der Martin Luther King Kirche in Hoyerswerda.

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Andreas, ein Betroffener von Hoyerswerda 1991, berichtet

Waltraud Spill, Gründerin des Vereins Projektarbeit Mosambik aus Hoyerswerda, übergab der Initiative „Pogrom 91“ drei von ihr aufgezeichnete Berichte von Betroffenen des rassistischen Pogroms von 1991 in Hoyerswerda. In einem ersten hier veröffentlichten Text erzählt Andreas seine Geschichte. Er kam 1981 in die DDR und gehörte zu den VertragsarbeiterInnen aus Mosambik, die 1991 vom rassistischen Mob aus Hoyerswerda vertrieben wurden.

Gespraech vom 18.10.1991 mit Andreas, 32 Jahre, Eltern, sechs Geschwister. Abreise: 20.10.1991.

1980 hätte ich nach Kuba gehen können. Dorthin wollte ich nicht.

Dann sagte die Regierung, du kannst in die DDR.

Am 22. September 1981 kam ich in Berlin an. Im Wohnheim am Tierpark lernte ich Deutsch, im Meliorationskombinat lernte ich Landmaschinenschlosser und Maschinist. Die Zeit in Berlin war sehr schön. Wir gingen in das Cafe Moskau, Cafe Nord, in die Disco nach Marzahn und in die Gaststätte am Tierpark tanzen. Es gab im Grunde keine Probleme mit den Deutschen. Auch bei der Arbeit nicht, wir waren dort vier Afrikaner.

In der Disco lernte ich eine junge Dame kennen. Wir waren eineinhalb Jahre befreundet, da bekamen wir ein Baby. Unsere Tochter wurde am 12. Dezember 1983 geboren. Ich wohnte mit beiden in einer Wohnung.

Mein Vertrag lief nach vier Jahren aus, ich musste zurück nach Mosambik. Bald aber hatte ich wieder die Möglichkeit, in die DDR zu fahren. Ich war wieder in Berlin. Ich arbeitete im Flugzeugpropellerwerk. Ich habe wieder bei meiner Familie gewohnt.

Ich hörte, dass man im Bergbau durch Schichtarbeit mehr Geld verdienen kann. So meldete ich mich dafür in der Botschaft. Im Mai 1988 habe ich im BKW Welzow in der Entwässerung angefangen zu arbeiten. …

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Mittwoch, 28.11., 13 Uhr: Polizei, Land und Zivilgesellschaft diskutieren ueber Neonazis in Hoyerswerda

Nach dem Übergriff auf eine Antifaschistin und einen Antifaschisten aus Hoyerswerda, bei welchem die Polizei untätig zusah, und nach welchem die Betroffenen die Stadt verlassen mussten, findet am heutigen Mittwoch eine Diskussionsveranstaltung zu Neonazis in Hoyerswerda statt. An der Diskussion nehmen der sächsische Landespolizeipräsident, der Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz, der Oberbürgermeister von Hoyerswerda sowie Vertreter der Zivilgesellschaft teil. Dazu wurde auf der offiziellen Internetseite des Landes Sachsen folgende Einladung veröffentlicht:

Lokales Aktionsforum in Hoyerswerda am 28. 11. 2012

Am Mittwoch, den 28. November 2012 um 13.00 Uhr findet im Neuen Rathaus im Sitzungssaal des Stadtrates in Hoyerswerda das Lokale Aktionsforum Hoyerswerda statt, zu dem wir Sie herzlich einladen. Thema der Veranstaltung ist die Einschätzung und Bewertung der aktuellen Lage beim Thema Rechtsextremismus in Hoyerswerda. Im Podium werden hierzu der Landespolizeipräsident Rainer Kann, der Präsident des Landesamtes für Verfassungsschutz Gordian Meyer-Plath, der Oberbürgermeister von Hoyerswerda Herr Stefan Skora sowie Vertreter der lokalen zivilgesellschaftlichen Organisationen Rede und Antwort stehen.

Im Anschluss daran findet ein Pressegespräch statt, zu dem wir ebenfalls herzlich einladen.

Termin: Mittwoch, den 28.11.2012
Ort: Neues Rathaus, Hoyerswerda, Sitzungssaal
Salomon-Gottlob-Frentzel-Straße 1, 02977 Hoyerswerda
Beginn: 13.00 Uhr

Nach Naziangriff: Betroffene muessen die Stadt verlassen - Polizei will sie nicht schuetzen

Vor einigen Wochen haben Neonazis ein junges Paar in ihrer Wohnung bedroht. Die Polizei war vor Ort, hat zugeschaut und nicht eingegriffen.

Wie das MDR Magazin exakt berichtete, sind die beiden Betroffenen daraufhin aus Hoyerswerda geflüchtet. Die Polizei in Hoyerswerda ist nicht bereit, sie vor weiteren Naziangriffen zu schützen. Das Paar wird nach der Bedrohung vor der eigenen Wohnungstür nicht wieder in die Stadt zurückkehren und muss sich einen neuen Wohnort suchen.

"Die Polizei hat darauf gedrängt, dass wir weggebracht werden, dass hier Ruhe reinkommt, so waren die Worte”, berichtete einer der Betroffenen gegenüber dem MDR. “Man fühlt sich wirklich wie zurückversetzt nach 1991, wo ich Kind war und es nicht verstanden habe, warum die Täter nicht festgenommen und aus der Stadt gebracht wurden, sondern die Asylanten, die in der Situation die Hilfe brauchten. Und so ist es auch bei uns. Wir wurden einfach weggeschickt, das Problem einfach weggeschoben”, sagte eine der Betroffenen.

Über den Angriff, die Situation der beiden Betroffenen und die Toleranz der Polizei gegenüber Nazigewalt berichteten auch Alternative Dresden News, Welt Online und Neues Deutschland Online.