Initiative "Pogrom 91"

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Donnerstag, 19.12., Filmvorfuehrung mit Regisseur/Innen, Kulturfabrik Hoyerswerda: Can`t be silent!

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Sie sind angekommen und doch noch immer auf der Flucht. Sie sind Sänger, Musiker, Rapper und doch Ausgeschlossene und Abgeschobene. Mit ihrer Musik bringen sie Tausende von Menschen zusammen und sind doch selbst nicht berechtigt, den nächstliegenden Bezirk zu betreten. Nuri (Dagestan), Jacques (Elfenbeinküste), Hosain (Afghanistan), Sam (Gambia) und Revelino Elfenbeinküste) haben ihr Land verlassen auf der Suche nach einer neuen Heimat, die vielleicht Deutschland ist. Isoliert in Heimen und zum Stillstand verurteilt, leben sie einen schockierenden Flüchtlingsalltag.

Doch da ist Heinz Ratz. Er hat 80 Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland besucht und dort Musiker von Weltklasseformat gefunden. Seine Combo „Strom & Wasser“ wurde kurzerhand durch ein „feat. The Refugees“ erweitert und begeisterte auf einer großen Deutschland-Tournee ein riesiges Publikum. Das Team begleitete Heinz Ratz und die Refugees bei dem Versuch, sich von ihren verordneten Plätzen zu lösen – durch die so simple wie machtvolle Geste, die eigene Stimme zu erheben.

Caren Lay, Bundestagsmitglied für die Linke für Hoyerswerda, hat die RegisseurInnen des Films in die Kulturfabrik eingeladen, um den Film zu präsentieren und mit den Besucherinnen und Besuchern ins Gespräch zu kommen.

Donnerstag, 19.12.13, 19 Uhr
Kulturfabrik Hoyerswerda
Alte Berliner Straße 26
02977 Hoyerswerda
Weitere Infos: cant-be-silent.de

Asyl in der Stadt der Opfer

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1991 griff ein Mob aus Nazis und BürgerInnen tagelang Nicht-Deutsche in Hoyerswerda an, bis diese schließlich aus der Stadt geschafft wurden. Tagelang belagerten RassistInnen dabei u.a. ein Wohnheim von Asylsuchenden. 22 Jahre später soll in Hoyerswerda nun wieder eine Unterkunft für Geflüchtete eröffnet werden. Die Berliner Wochenzeitung Jungle World veröffentlichte einen Bericht zur aktuellen Diskussion zum neuen Asylsuchendenwohnheim in Hoyerswerda.

Asyl in der Stadt der Opfer.

In Hoyerswerda sollen demnächst etwa 100 Flüchtlinge untergebracht werden. Das sorgt bei den Anwohnern für Aufregung.

"Heute geht es um uns als Bürgerinnen und Bürger der Stadt Hoyerswerda. Das ist das Wichtigste." Mit diesen Worten eröffnete Oberbürgermeister Stefan Skora (CDU) vergangene Woche vor etwa 250 Gästen eine Bürgerversammlung im "Jugendclubhaus Ossi". Das Thema der Veranstaltung war ein geplantes Asylbewerberheim in der Dillinger Straße. Die Hauptsache für Skora, so ließ er erkennen: Alles soll ruhig bleiben, sowohl während der Veranstaltung als auch später, wenn die Flüchtlinge ihre neue Unterkunft beziehen. Weitere negative Schlagzeilen aus der sächsischen Kleinstadt mit der traurigen Berühmtheit möchte der Bürgermeister offensichtlich unter allen Umständen verhindern.

…weiterlesen auf: jungle-world.com.

Pressemitteilung: Oeffentliches Buergerforum am 13.11. in Hoyerswerda zur neuen Unterkunft von Asylsuchenden - Rassistinnen und Rassisten keine Plattform bieten!

Am kommenden Mittwoch, den 13. November 2013 ruft Hoyerswerdas Oberbürgermeister Stefan Skora zu einem öffentlichen Bürgerforum auf, um die Einwohnerinnen und Einwohner über das geplante Wohnheim für Geflüchtete in der Stadt zu informieren.

Auch in anderen Städten in der gesamten Bundesrepublik gibt es zur Zeit Diskussionen um neue Unterkünfte für Asylsuchende, die von öffentlichen Bürgerversammlungen begleitet werden. In zahlreichen Fällen wurden solche Veranstaltungen von organisierten Nazis und „ganz normalen“ Bürgerinnen und Bürgern als Plattform für rassistische Propaganda genutzt und waren Ausgangspunkt von rechten „Bürgerinitiativen“ gegen Geflüchtete.

Auf diese Weise wurden in diesem Jahr etwa Informationsveranstaltungen in Leipzig-Rackwitz und Berlin-Hellersdorf zu öffentlichkeitswirksamen Podien für rassistische Hetze. Dort formierten sich aus Bürgerversammlungen mit Unterstützung der NPD organisierte „Bürgerinitiativen“ gegen die geplanten Unterkünfte. Sie sind eine alarmierende Gefahr für die Geflüchteten, die in diesen Städten leben werden.

Dass ein solches Szenario leider auch für Hoyerswerda keinesfalls unrealistisch ist, zeigt eine seit Wochen bestehende Facebook-Seite auf der unter dem Motto „Nein zum Heim in Hoyerswerda“ gegen Geflüchtete und angeblichen „Asylmissbrauch“ Stimmung gemacht wird. Über 1.800 Menschen unterstützen die Seite, deren Urheber keinen Hehl aus ihrer neonazistischen Gesinnung machen.

Wir fordern daher von Oberbürgermeister Stefan Skora, auf eine mögliche Eskalation vorbereitet zu sein und warnen vor einer rassistischen Mobilmachung in Hoyerswerda, der Stadt in welcher 1991 hunderte Nazis, Bürgerinnen und Bürger bei einem rassistischen Pogrom Geflüchtete und Vertragsarbeiter angegriffen und aus der Stadt gejagt haben.

„Auf Veranstaltungen wie diesen wurde in der jüngeren Vergangenheit für Nazis erfahrbar, dass ihre Positionen anschlussfähig sind. Wir fordern deshalb nachdrücklich, dass bei Wortmeldungen, die Geflüchtete pauschal mit negativen Zuschreibungen belegen, nicht weg gehört, sondern eingeschritten wird. Personen, die sich derart äußern, sollte gerade auf einer städtischen Veranstaltung kein öffentliches Podium geboten werden. NPD-Mitgliedern und anderen erkennbaren Neonazis muss der Zutritt verwehrt werden.“, so Mathias Buchner von der Initiative „Pogrom 91“.

„Wir würden uns selbstverständlich freuen, wenn die Veranstaltung ohne rassistische Hetze abläuft und konstruktiv im Sinne der Geflüchteten diskutiert wird – z.B. wie man sie statt in Heimen dezentral in eigenen Wohnungen unterbringen kann. Wir wünschen uns eine Gesellschaft, in der Geflüchtete auch in Städten wie Hoyerswerda sicher und zufrieden leben können, ohne dass dafür vorher Bürgerforen und Diskussionen nötig sind“, ergänzte Mathias Buchner von der Initiative „Pogrom 91“.

Initiative „Pogrom 91“ erinnert mit Podiumsdiskussion an 22. Jahrestag des rassistischen Pogroms von Hoyerswerda

Vor 22 Jahren ereignete sich das rassistische Pogrom von Hoyerswerda. Die Initiative „Pogrom 91“ veranstaltete in Erinnerung an die Ereignisse vom Herbst 1991 vor wenigen Tagen eine Podiumsdiskussion in Hoyerswerda mit Dr. Harry Waibel und Angelika Nguyen, die von 50 Zuhörerinnen und Zuhörern besucht wurde.

Angelika Nguyen und Harry Waibel diskutierten die Frage „1991 - wie konnte es dazu kommen? Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in der DDR.“ und erläuterten, wie präsent Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in der DDR waren - dem Staat, in dem die TäterInnen von Hoyerswerda bis wenigen Monate vor dem rassistischen Pogrom lebten, welches sich kurz nach der deutschen Wiedervereinigung und dem Ende der DDR ereignete.

Angelika Nguyen, die in der DDR als Tochter einer deutschen Übersetzerin und eines vietnamesischen Arztes geboren wurde, berichtete von ihren Erfahrungen als DDR-Bürgerin, die aufgrund ihres Namens und Aussehens oft Ausgrenzung und Diskriminierung erfahren hat. Sie schilderte Begegnungen im Alltag der DDR zwischen offiziellen Solidaritätsbekundungen für das „sozialistische Bruderland“ Vietnam auf der einen Seite und ihren Erlebnissen von Ausgrenzung als „Fremde“ auf der anderen Seite.

Harry Waibel erläuterte, dass die DDR, die sich als antifaschistischer Staat verstand, rassistische Vorfälle gegenüber der Öffentlichkeit verschwieg. Nach dem Selbstverständnis der DDR-Führung waren Nazis und Rassismus schon dadurch besiegt, dass der Staat als sozialistische Gesellschaft aufgebaut worden war. Dass diese Einschätzung falsch war und für viele Menschen schlimme bis tödliche Folgen hatte, zeigte sich nicht erst mit Hoyerswerda 1991 – wie Harry Waibel erläuterte, gab es auch vor Hoyerswerda rassistische Pogrome auf dem Gebiet der DDR.

Die Veranstaltung wurde begleitet von Berichterstattung in den beiden regionalen Tageszeitungen Sächsische Zeitung und Lausitzer Rundschau sowie einem Interview in der Wochenzeitung Jungle World.

Die Podiumsdiskussion wurde aufgezeichnet und kann angehört und heruntergeladen werden: http://soundcloud.com/initiative-pogrom-91/podiumsdiskussion-rassismus.

Hintergund: In der sächsischen Kleinstadt Hoyerswerda wurden vor 22 Jahren tagelang VertragsarbeiterInnen und Asylsuchende von einem Mob aus Neonazis und vermeintlich „ganz normalen Deutschen“ angegriffen und wurden aus der Stadt evakuiert – einige wurden daraufhin direkt abgeschoben. Die Attacken von Hoyerswerda waren der Auftakt einer Reihe rassistischer Ausschreitungen, in die sich das Pogrom in Rostock-Lichtenhagen und die Brandanschläge von Mölln und Solingen einreihten. Als Resultat von 1991 wurde Hoyerswerda „ausländerfrei“. Nach der Welle von rassistischen Gewalttaten, die von Hoyerswerda ausging, beschloss der Deutsche Bundestag 1993 die faktische Abschaffung des Grundrechts auf Asyl.

Die Initiative „Pogrom 91“ erinnerte inzwischen zum dritten Mal an das rassistische Pogrom von Hoyerswerda und organisierte 2011 und 2012 Demonstrationen in der sächsischen Kleinstadt.

Beitrag zuerst erschienen auf: addn.me.

In diesem Sinne kann man auch bei den Ereignissen, die sich zwei Jahre nach dem Fall der Mauer in der saechsischen Kleinstadt Hoyerswerda ereigneten, von einem Pogrom sprechen.

—Beitrag “Rückblende - 1991: Das Pogrom von Hoyerswerda” von Michael Brenner auf juedische-allgemeine.de.

Pressemitteilung: Podiumsdiskussion am 28. September 2013 in Hoyerswerda: 22 Jahre nach dem Pogrom 1991 - Wie konnte es dazu kommen? Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in der DDR.

Heute vor 22 Jahren ereignete sich das rassistische Pogrom von Hoyerswerda. Die Initiative „Pogrom 91“ veranstaltet in Erinnerung an die Ereignisse in Kooperation mit der Initiative Zivilcourage Hoyerswerda eine Podiumsdiskussion unter dem Titel: „Hoyerswerda wie konnte es dazu kommen? Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in der DDR“. Die Veranstaltung wird am 28. September 2013 um 16.00 Uhr im Martin-Luther-King-Haus Hoyerswerda stattfinden.

Es diskutieren Historiker Dr. Harry Waibel, der zu Neonazis in der DDR promovierte, und die Filmemacherin und Autorin Angelika Nguyen. Sie produzierte mit „Bruderland ist abgebrannt“ eine Dokumentation über das Leben von vietnamesischen MigrantInnen in Ostdeutschland und beschrieb im Sammelband „Kaltland“ wie sie als Kind deutsch-vietnamesischer Eltern Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in der DDR erlebte. Vor der Diskussion erläutert „Pogrom 91“ in einem kurzen Einführungsvortrag Hintergründe zum rassistischen Pogrom von 1991. Thema ist dabei auch die Kritik an der mangelnden Gedenkpolitik der Stadt.

In der sächsischen Kleinstadt Hoyerswerda wurden vor 22 Jahren VertragsarbeiterInnen und Asylsuchende von einem Mob aus Neonazis und vermeintlich „ganz normalen Deutschen“ angegriffen und mussten die Stadt verlassen. Die Attacken von Hoyerswerda bildeten den Anfang einer Kette rassistischer Ausschreitungen, in die sich das Pogrom in Rostock-Lichtenhagen und die Brandanschläge von Mölln und Solingen einreihten. Als Resultat von 1991 wurde Hoyerswerda “ausländerfrei“. Nach der Welle von rassistischen Gewalttaten, die von Hoyerswerda ausging, beschloss der Deutsche Bundestag 1993 die faktische Abschaffung des Grundrechts auf Asyl. Auch Jahre nach 1991 wurden keine größeren Gruppen von Asylsuchenden mehr in der sächsischen Kleinstadt aufgenommen. Es kann auch heute nicht davon ausgegangen werden, dass sie sich sicher und geschützt vor Angriffen durch Neonazis und RassistInnen in der Stadt aufhalten könnten. „Noch immer leben in Hoyerswerda militante Neonazis, gegen die in der Stadt nicht entschieden genug vorgegangen wird. Die Neonazis können selbstbewusst weiter Jagd auf Menschen machen, die Betroffenen werde allein gelassen. Vor nicht einmal einem Jahr musste ein junges Pärchen die Stadt verlassen, die in der Stadt Nazi-Sticker entfernt hatten und für ihre Einstellung von Nazis in ihrem Wohnhaus bedroht wurden. Die Polizei schaute zu, als die Rechten das Wohnhaus des Pärchens belagerten und äußerte öffentlich, sie könne die Beiden nicht schützen“, sagt Mathias Buchner von „Pogrom 91“. Auch das Bürgerbüro der Bundestagsabgeordneten Caren Lay (Die Linke) in Hoyerswerda wird regelmäßig von Rechten angegriffen. Für Menschen, die sich gegen Nazis engagieren, ist in Hoyerswerda kein Platz. Für den Hoyerswerdaer Bürgermeister sind Übergriffe wie der auf das junge Pärchen im vergangenen Jahr in erster Linie Imageprobleme.

Die Initiative “Pogrom 91” erinnert inzwischen zum dritten Mal in Folge an das rassistische Pogrom von 1991 und fordert, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit entschlossen entgegenzutreten und an das rassistische Pogrom vom September 1991 zu erinnern. Nachdem 2011 und 2012 zwei Demonstrationen anlässlich des rassistischen Pogroms organisiert wurden, liegt der Schwerpunkt in diesem Jahr auf der inhaltlichen Diskussion.

Dazu laden wir Sie, als PressevertreterInnen, recht herzlich ein. Im Anschluss an den inhaltlichen Teil der Veranstaltung wird es einen Barbecue geben, um beim gemeinsamen Essen miteinander ins Gespräch zu kommen. Natürlich stehen wir gern für Presseanfragen zur Verfügung.

Weitere Informationen zum Jahrestag 2013 finden Sie unter: pogrom91.tumblr.com/Jahrestag-2013

Die Veranstaltenden behalten sich vor nach §6 VersG. von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechten Parteien oder Organisationen angehören, der rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Pogrom 91 zum 22. Jahrestag von Hoyerswerda im Interview in der Jungle World: Mit Versoehnung tritt man nochmal nach

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Am 17. September jährt sich das rassistische Pogrom von Hoyerswerda zum 22. Mal. Aus diesem Anlass hat die Berliner Wochenzeitung Jungle World in ihrer aktuellen Ausgabe ein Interview mit der Initiative „Pogrom 91“ veröffentlicht. Die Jungle World befragte „Pogrom 91“ zum geplanten Denkmal an die Ereignisse von 1991 und zum aktuellen Umgang mit dem rassistischen Pogrom, mit Nazis und Rassismus in Hoyerswerda. Das Interview ist auch auf der Internetseite der Jungle World nachzulesen.

In dieser Woche jährt sich der Beginn der Pogrome im sächsischen Hoyerswerda 1991. Die Initiative „Pogrom 91“ erinnert auch in diesem Jahr mit einer Veranstaltung in der Stadt an die rassistischen Angriffe auf Flüchtlinge und Vertragsarbeiter. Lisa und Mathias gehören der Initiative an.

Welche Rolle spielen die Pogrome für die Öffentlichkeit in Hoyerswerda?
Lisa: Bevor die Initiative ins Leben gerufen wurde, haben sie niemanden mehr interessiert. „Pogrom 91“ hat aber fundierte Arbeit geleistet, Demonstrationen veranstaltet und einen Denkmalsentwurf vorgestellt. Die Stadt wurde so gepiesackt, dass sie sich wieder damit beschäftigt hat.

Wie hat der Entwurf ausgesehen?
Mathias: Wir haben vor zwei Jahren einen ersten Entwurf angefertigt. Es war eine weiße Stele mit einem Plexiglaskasten, in dem sich eine Schrifttafel befand. Wir haben auf ihr den Begriff „rassistisches Pogrom“ benutzt, weil die Einordnung nicht selbstverständlich ist.

Welche Begriffe kursieren noch?
Mathias: Die Stadt hat eine Stele präsentiert, auf der stand: „In Erinnerung an die extremistischen Ausschreitungen“.

Wurde der Entwurf der Initiative angenommen?
Mathias: Wir sind mit der Forderung nach einem Denkmal an die Öffentlichkeit getreten. Die Stadt hat dann einen Wettbewerb ausgerufen. Der Siegerentwurf sieht aus wie ein Tor mit einem Regenbogen darüber, auf dem Begriffe wie Gastfreundschaft und Versöhnung eingraviert sind. Das ist zynisch. Entschuldigung wäre in Ordnung gewesen, mit Versöhnung tritt man dagegen nochmal nach.

Hat sich inzwischen etwas verändert, was den Rassismus angeht?
Lisa: Die Stadt wurde durch das Pogrom „ausländerfrei“, mehr oder minder ist sie das immer noch. Sie hat nach wie vor ein rechtes Problem. Im vergangenen Jahr haben Nazis damit begonnen, regelmäßig das Büro von Caren Lay von der Linkspartei anzugreifen, ein Paar musste aus der Stadt fliehen, weil es massiv von Nazis angegriffen wurde und die Polizei untätig geblieben ist. Zurzeit soll der Landkreis Bautzen mehr Flüchtlinge aufnehmen. Hoyerswerda ist die einzige Stadt im Kreis ohne ein Heim. Die Stadt diskutiert nun, ob sie wieder bereit ist, Flüchtlinge aufzunehmen.

Tut die Stadt etwas gegen ihr Naziproblem?
Mathias: Vom Bürgermeister gibt es nur Lippenbekenntnisse, ein entschlossenes Eingreifen gegen Nazis hingegen nicht.

Interview: Markus Ströhlein

22 Jahre nach dem Pogrom 1991 - Wie konnte es dazu kommen?

Eine Podiumsveranstaltung in Erinnerung an das rassistische Pogrom von 1991 in Hoyerswerda

28. September 2013// 16 Uhr // Martin-Luther-King-Haus// Bonhoeffer Straße // Hoyerswerda (Neustadt)

Es diskutieren:

Dr. Harry Waibel - Historiker und Autor, promovierte zu Rechtsextremismus in der DDR

Angelika Nguyen - Filmwissenschaftlerin und Autorin, drehte 1991 einen Doku-Film über vietnamesische Migrant*innen in Ostdeutschland “Bruderland ist abgebrannt”, dazu veröffentlichte sie auch einen Text im Sammelband “Kaltland”

Außerdem: Input- Vortrag zu Hoyerswerda 1991 und nach der Podiumsdiskussion: Gespräche am Grill.  

Die Veranstaltung findet in Erinnerung an das rassistische Pogrom von 1991 statt, bei dem mehrere Tage lang bis zu 600 Menschen die Bewohner*innen des Asylsuchendenheimes und des Vertragsarbeiter*innenheimes in Hoyerswerda bedrohten und mit Steinen, Flaschen und Molotowcocktails angriffen. Die Attacken waren einer der ersten großen rassistischen Übergriffe nach der Wende 1989 und bildeten den Anfang einer Kette rassistischer Ausschreitungen, in die sich das Pogrom in Rostock-Lichtenhagen oder die Brandanschläge von Mölln und Solingen einreihen. Als Resultat von 1991 wurde Hoyerswerda “ausländerfrei”, der deutsche Mob hatte sein Ziel erreicht. In Konsequenz der Welle von rassistischen Gewalttaten, die von Hoyerswerda ausging, beschloss der Bundestag 1993 die faktische Abschaffung des Recht auf Asyl. An diesem Zustand hat sich bis heute nichts geändert, eher schottet sich Deutschland durch die neuen EU-Regelungen (“sichere” Drittstaaten wie Griechenland) noch stärker gegen Flüchtlinge ab.

Die Initiative “Pogrom 91” erinnert inzwischen zum dritten Mal in Folge an die Ereignisse und fordert, sich mit Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auseinanderzusetzen und diesem entschlossen entgegenzutreten. Dabei wollen wir die Perspektive der Betroffenen immer im Blick behalten. Nachdem wir 2011 und 2012 zwei Demonstrationen in Erinnerung an das Pogrom organisiert haben, setzen wir dieses Jahr einen wesentlichen Schwerpunkt auf die inhaltliche Diskussion, um den Diskurs um den Umgang mit den Ereignissen von 1991 und die Diskussion um ein Gedenken an das rassistische Pogrom in der Stadt weiter zu beeinflussen.

Die Veranstaltung wird von der Initiative “Pogrom 91” und der Initiative Zivilcourage Hoyerswerda organisiert.

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Die Veranstaltenden behalten sich vor nach §6 VersG. von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechten Parteien oder Organisationen angehören, der rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

Pressemitteilung von Caren Lay, Mitglied des Bundestages (Die Linke): Erneuter Naziangriff auf Linken-Buero in Hoyerswerda

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In der Nacht zum 2. August 2013 wurde das Hoyerswerdaer Bürgerbüro der Bundestagsabgeordneten und Direktkandidatin der LINKEN, Caren Lay, von bisher noch unbekannten Täterinnen und Tätern zum bereits dritten Mal allein in diesem Jahr angegriffen und beschädigt. Dazu Caren Lay:

„In der vergangenen Nacht wurde mein Bürgerbüro in Hoyerswerda erneut von Neonazis angegriffen und massiv beschädigt. Mit diffamierenden und antisemitischen Schmierereien und diversen Aufklebern der JN (Jugendorganisation der NPD) verwüsteten die Täter die gesamte Ladenfront meines Büros. Heute Vormittag haben wir diese Straftat zur Anzeige gebracht und ich hoffe, dass die Täter schnell gefasst werden können.

Selbstverständlich werde ich auch weiterhin in meiner politischen Arbeit und im aktuellen Wahlkampf deutlich Position gegen Nazis und ihre menschenfeindliche Ideologie beziehen. Antisemitische und neonazistische Umtriebe dürfen nicht herunter gespielt oder gar verschwiegen werden. Stattdessen muss Hoyerswerda solche Angriffe aufs Gemeinwesen deutlich zurückweisen und ihnen mit Stärke und Kreativität begegnen. Von der Polizei erwarte ich die Aufklärung der Angriffe und Verfolgung der Täter. Die Art dieser neuerlichen Attacke legt den Verdacht nah, dass es sich hier um dieselben Täter handelt, die in den letzten Tagen auch über 30 Wahlplakate des Oberbürgermeisterkandidaten der LINKEN, Ralph Büchner, beschädigt haben.“

Die Pressemitteilung wurde auf der Internetseite von Caren Lay veröffentlicht: caren-lay.de.

Auch die Lausitzer Rundschau berichtete über den Angriff:

Erneut Angriff auf Linken-Büro
Unbekannte beschmieren Fensterscheiben in der Hoyerswerdaer Bonhoeffer-Straße

Linken-Ortsvereinschef Gerhard Heyme sitzt im Linken-Büro in der Bonhoeffer-Straße und sieht die Polizei anrücken. An der Glasfront des Bürgerbüros haben sich einmal mehr Unbekannte verewigt. Sprüche wie “Eure Tage sind gezählt” oder “Die Lügner” haben die Täter auf die Scheiben geschmiert, dazu kleben dort rund ein halbes Dutzend Aufkleber mit eindeutig rechtem Absender. Auf einem Tisch im Bürgerbüro der Bundestagsabgeordneten Caren Lay liegt ein zerstörtes Wahlplakat mit dem Konterfei von Hoyerswerdas OB-Kandidaten Ralph Büchner. “In dieser Form ist die Linke in Hoyerswerda noch nie angegangen worden”, sagt Heyme, der in den vergangenen Jahrzehnten reichlich Erfahrung in Wahlkämpfen gesammelt hat. Mehr als 30 Plakate von Ralph Büchner sind in der vergangenen Woche im Stadtgebiet zerstört worden. “Früher ist es immer einmal vorgekommen, dass ein, zwei Plakate zerstört worden sind”, sagt Heyme. Doch diese gezielte Zerstörungswut sei selbst für ihn neu.

Dazu kommt noch eine weitere Facette. In der Nacht zum Freitag hat in der Bautzener Allee ein Wahlplakat mit Büchner-Konteifei gebrannt. Unbekannte hatten es gegen 0.45 Uhr in Brand gesteckt. Die Feuerwehr, die in der Hufelandstraße zudem zu Containerbränden gerufen worden war, musste löschen.

Der Übergriff auf das Bürgerbüro von Caren Lay ist bereits der dritte in diesem Jahr. Lay hat die Tat scharf verurteilt. “Von der Polizei erwarte ich die Aufklärung der Angriffe und Verfolgung der Täter”, teilt sie mit. Für sie sei es naheliegend, dass diese Tat und die Zerstörung der Büchner-Plakate zusammenhängen.

Die jüngste Tat ist eine weitere Facette der rechten Übergriffe in Hoyerswerda. Erst Anfang Juli hatte Sachsens Verfassungsschutz-Präsident Gordian Meyer-Plath in Hoyerswerda gesagt, die Gefahr von rechts sei in der Stadt weiterhin sehr akut. Eine Gruppe von 25 Neonazis sei zwar im Fokus der Polizei, jedoch auch sehr gut vernetzt. Sie spürten den Druck der Behörden, so Meyer-Plath, hätten jedoch noch genug Kraft für eigene Aktionen. Sachsens Polizei und Verfassungsschutz haben Hoyerswerda seit vergangenem Herbst wieder stärker im Fokus. Damals hatte eine Gruppe Neonazis ein Hoyerswerdaer Pärchen, das regelmäßig rechte Aufkleber im Stadtbild entfernt hatte, vor deren Wohnung bedrängt. Das Paar war daraufhin nachts geflohen. Etwa einen Monat später hatte ein Fernsehbeitrag über das Paar bundesweit einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Als Konsequenz hat die Polizei eine Staatsschutz-Außenstelle in der Stadt installiert.

Beitrag aus der Lausitzer Rundschau online lesen: lr-online.de
Bild: caren-lay.de.

Pogrom 91 dankt den Toten Hosen

Foto: Die Toten Hosen

Am vergangenen Wochenende wurde die Initiative „Pogrom 91“ von den Toten Hosen zum Seenland-Festival bei Hoyerswerda eingeladen. Dank der Vermittlung von Kein Bock auf Nazis und der Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt RAA Sachsen e.V. traf die Gruppe Breiti und Andi von den Toten Hosen. Im Backstage-Bereich des Seenland-Festivals sprachen sie mit “Pogrom 91” und der Opferberatung über ihre Arbeit, Rassismus und Neonazis in der Region und die Pläne der beiden Organisationen für die Zukunft. Auf ihrer Facebookseite schrieben die Toten Hosen: „Die Darstellung ihrer Arbeit hat uns total überzeugt, wir halten beide für sehr gute Initiativen und haben großen Respekt für Leute, die ihre ganze Freizeit dafür opfern oder es zu ihrem Beruf machen, sich gegen Rechts und damit für die Demokratie zu engagieren“. „Es ist wichtig, dass sich Initiativen wie ,Pogrom 91‘ mit Fremdenfeindlichkeit und Rassismus auseinandersetzen.“ ergänzte Breiti gegenüber der Gruppe. Im Anschluss organisierten die Hosen eine Pressekonferenz mit den beiden Initiativen, an welcher etwa 10 Journalist/innen teilgenommen haben, darüber berichtete u.a. die Sächsische Zeitung.

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Die Toten Hosen unterstützen seit langem Pro Asyl und Kein Bock auf Nazis, welche auf dem Festivalgelände Infostände aufgebaut hatten und Broschüren und Flyer verteilten. Pro Asyl sammelte Unterschriften für ihre gemeinsame Aktion mit den Toten Hosen „Flucht ist kein Verbrechen!“. „Wir danken den Toten Hosen für ihre Unterstützung und ihr Interesse an unserer Arbeit. Wir freuen uns, dass sie zusammen mit Pro Asyl und Kein Bock auf Nazis Präsenz in einer Region gezeigt haben, in der rechte Gewalt, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit leider viel zu wenig bekämpft werden“, sagte Susi von „Pogrom 91“.