Dokumentation
Ausschnitt aus der ARD-Dokumentation „Nach Hitler-Radikale Rechte rüsten auf“.
Im September 1991 kam es in Hoyerswerda zu tagelangen Angriffen auf zwei Wohnheime von AsylbewerberInnen und GastarbeiterInnen. Ein Mob von Neonazis und BürgerInnen terrorisierte die BewohnerInnen der beiden Heime, bis schließlich eine Evakuierung nötig war. Die Sicherheit der in Hoyerswerda lebenden MigrantInnen war nicht mehr gewährleistet. Dieses erste rassistische Pogrom nach 1945 war der Auftakt einer ganzen Reihe rassistischer Übergriffe u.a. in Rostock, Mölln und Solingen. Die Kampagne „Rassismus Tötet“ hat zahlreiche Videos aus jener Zeit gesammelt und veröffentlicht.
1991
Eindrücke aus Hoyerswerda. Ein Beitrag von Leona Frommelt für das “Kalenderblatt” der Deutschen Welle zum 17. September 1991 (nachlesen/herunterladen)
Chronik der Ereignisse vom September 1991
Dokumentation zu Hoyerswerda 1991 vom Buchladen Georgi Dimitroff
Beitrag zu Hoyerswerda 1991 von Heike Kleffner im Hinterland, einem Magazin des Bayrischen Flüchtlingsrat. Der Text blickt 20 Jahre nach dem rassistischen Pogrom auf das Ereignis und seinen Ablauf, sowie seine Folgen zurück und beleuchtet dabei besonders die Perspektive der Betroffenen der Angriffe.
„Die Polizei griff nicht ein…“ Interview mit Flüchtlingen aus Hoyerswerda im AIB Nr. 16
Appell der Flüchtlinge aus Hoyerswerda (Oktober 1991)
Andreas, ein Betroffener von Hoyerswerda 1991, berichtet
Zur Vertreibung von Flüchtlingen aus Hoyerswerda (November 91)
Harter Staat und weiche Birne, aus der Wildcat Oktober 1991
Bericht der TeilnehmerInnen am ersten Demokonvoi nach Hoyerswerda im September 1991
Bericht von der Demo gegen Rassismus in Hoyerswerda am 29.9.91
Der Regionalsender Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) veröffentlichte in der Schwerpunktreihe “60 Jahre Deutschland” auch eine Sendung über die Pogrome von 1991 in Hoyerswerda. Zwei Jahre nach dem Mauerfall entflammte offen der Ausländerhass und entlud sich auf Wohnheime Asylsuchender. Waltraud Spill, die damals in der Kleinstadt lebte, erinnert sich an den “Mob von Hoyerswerda” (vom 29. April 2009).
Videos (bestellbar bei der autofocus Videowerkstatt):
Das Hoyerswerda Syndrom–1996, ca. 52min
Impressionen aus Hoyerswerda im Herbst 1991.
Die 1990er Jahre
Die Gewalt von Neonazis gegenüber Nicht-Rechten steigerte sich schließlich bis hin zum Tod von Waltraud Scheffler und Mike Zerna. Waltraud Scheffler wurde am 10.10.92 von einem 17-Jährigen erschlagen und verstarb an den Folgen ihrer Verletzungen am 23.10.1992. Auf Mike Zerna kippten Neonazis am 19.02. 1993 einen Transporter, worauf hin er sechs Tage später verstarb.
Originalbeitrag zu den Hintergründen des Mordes an Mike Zerna aus dem Jahr 1993.
“Die Leute haben andere Probleme” (1997)
In Hoyerswerda entwickelte sich wie in vielen ostdeutschen Städten nach 1990 ein aktive und dominierende Neonazi-Jugendkultur. Im folgenden Interview der Tageszeitung „junge Welt“ aus dem Jahre 2001 berichten zwei Zeitzeugen von der antirassistischen Demonstration 1991. Darüber hinaus schildern sie die Zustände in Hoyerswerda nach den Pogromen: nachdem die Neonazis mit Hilfe zahlreicher BürgerInnen ihr Ziel erreicht hatten und alle BewohnerInnen der GastarbeiterInnen- und AsylbewerberInnen-Wohnheime evakuiert werden mussten, richtete sich ihr Terror gegen linke Jugendkultur in Hoyerswerda.
1991-2001: Kein Vergeben, kein Vergessen! (Interview 2001)
Demonstration: Hoyerswerda-
15 Jahre spaeter
Im Jahre 2006, anlässlich des 15. Jahrestag der Pogrome von Hoyerswerda, rückten die Ereignisse von 1991 wieder in den Blickpunkt der öffentlichen Wahrnehmung in Hoyerswerda. Die Stadtverwaltung organisierte eine stille Gedenkveranstaltung. In der „Lausitzhalle“ wurde die vom Verfassungsschutz initiierte Austellung »Die braune Falle« gezeigt, die „Kulturfabrik Hoyerswerda“ zeigte einen Film über die Edelweißpiraten. Offensiv aufgegriffen wurden die rassistischen Pogrome und deren Umstände jedoch nur von einem überregionalen Antifabündnis mit der Organisation einer antirassistischen Demonstration unter den Motto „Hoyerswerda-15 Jahre später. Gegen rechte Strukturen und kollektive Verdrängung“. Von Seiten der Stadt dienten Gedenkzeremonien vor allem der Imageaufbesserung. Auf zwei lediglich für den Jahrestag der Pogrome aufgestellten Gedenkstehlen wurde der Opfer der „extremistischen Gewalttaten“ gedacht - selbst 15 Jahre nach den Übergriffen wird der rassistische Hintergrund der Porgrome noch immer verdrängt und geleugnet.
Aufruf zur Antirassistischen Demonstration „Hoyerswerda-15 Jahre später“
Pressemeldungen der AntifaAG Hoyerswerda zu „Hoyerswerda-15 Jahre später“
Interview zur Demo “Hoyerswerda-15 Jahre später”
Indymedia-Feature mit Fotos und Berichten von der Demo und Aktionen der Datenantifa im Zuge von Naziaktivitäten anlässlich des 15. Jahrestages der Pogrome von 1991
Redebeitrag von Antifas aus Ostsachsen in Gedenken an die Opfer rechter Gewalt nach 1991
Demonstration 2011: Ereignisse beim Namen nennen! Der 20. Jahrestag des rassistischen Pogroms von Hoyerswerda
Zum 20. Jahrestag des rassistischen Pogroms von Hoyerswerda rief die Initiative “Pogrom 91” zu einer antirassistischen Demonstration in Hoyerswerda auf.
Vor der Demonstration besuchten einige Betroffene des Pogroms von 1991 erneut Hoyerswerda. Sie wurden von einem Kamerateam begleitet. Vor dem ehemaligen VertragsarbeiterInnenheim in Hoyerswerda wurden sie erneut von Neonazis angegriffen.
“Progom 91” forderte ein Denkmal in Erinnerung an die Ereignisse von 1991 und wurde dabei u.a. von der Bundestagsabgeordneten Caren Lay (Die Linke) unterstützt. Während der Demonstration wurde vorübergehend ein Denkmal in Erinnerung an 1991 erichtet, Neonazis störten eine Schweigeminute, einige DemonstrationsteilnehmerInnen wurden von der Polizei angegriffen (Bericht auf Alternative Dresden News und von der Initiative “Pogrom 91”).
Nach der Demonstration sagte Bürgermeister Skora in einem Interview auf Deutschlandradio Kultur: “Wir haben darauf hingewiesen, dass wir die Bezeichnung ‘Pogrom 91’ als eine Beleidigung für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Hoyerswerda auffassen”.
