Initiative "Pogrom 91"

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Ausstellungseroeffnung und Vortrag zu Hoyerswerda 1991 in Berlin

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Am vergangenen Donnerstag eröffnete die Initiative “Pogrom 91” in Berlin eine Ausstellung in Erinnerung an das rassistischen Pogrom von Hoyerswerda 1991. Gezeigt werden die Ergebnisse der diesjährigen Gedenkaktion an den Herbst 1991. “Pogrom 91” hatte verschiedene Gruppen in ganz Deutschland aufgerufen, Erinnerungsplakate zu verkleben, ausgestellt wurden nun Fotos der Plakate sowie Bilder von Graffiti in Gedenken an den Herbst 1991. Die Ausstellung kann in den kommenden Tagen im Bandito Rosso in Berlin besucht werden.

Zur Eröffnung der Galerie hielt die Initiative “Pogrom 91” im voll besetzten Bandito Rosso vor etwa 30 ZuhörerInnen einen Vortrag mit dem Titel “Hoyerswerda 1991 – Möglichkeiten und Grenzen linker Erinnerungspolitik”. Veranstalter waren die Northeast Antifascists (NEA) Berlin. Im Vortrag wurde begleitet von zahlreichen Videoaufnahmen und Interviews von Zeitzeugen zunächst erläutert, was sich 1991 ereignet und welche Auswirkungen das rassistische Pogrom in Hoyerswerda und bundesweit hatte. Im Anschluss wurde der Umgang der Stadt mit dem Ereignis analysiert und dabei die Rolle der Initiative “Pogrom 91” erläutert. Anlass war die Einweihung eines offiziellen Denkmals an den Herbst 1991 vor wenigen Tagen in Hoyerswerda. Ein solcher Ort der Erinnerung war zwar immer eine zentrale Forderung von “Pogrom 91”, allerdings gibt es nun Kritik an der optischen und inhaltlichen Gestaltung des errichteten Denkmals. Zentrales Thema des Vortrags war deshalb die Frage nach Möglichkeiten und Grenzen linker Erinnerungs- und Gedenkpolitik.

Die Ausstellung und der Vortrag werden auch in weiteren Städten vorgestellt, aktuelle Infos gibt es auf pogrom91.tumblr.com. Gern kommen wir mit unserer Veranstaltung auch in eure Stadt – schreibt uns einfach eine Mail.

Frankfurter Rundschau: Verklemmtes Gedenken

Das Denkmal “Offene Tuer, offenes Tor” in Hoyerswerda soll an den Herbst 1991 erinnern.

Von K. Erik Franzen

Hoyerswerda? Da war doch was. Ach ja, 1991, Angriffe von Rechtsradikalen auf Asylbewerber und Vertragsarbeiter. Und hunderte Schaulustige johlten dazu. Dunkeldeutschland. Danach kamen Rostock, Solingen, Mölln. So lautet das simple Erinnerungsmuster der meisten, noch heute.

Stefan Skora steht am Rande des Zentralparks, Ecke Straße des Friedens und Dr.-Wilhelm-Külz-Straße. 23 Jahre nach den Exzessen gegen ausländische Bewohner in Hoyerswerda weiht der CDU-Oberbürgermeister das Denkmal mit dem sperrigen Namen „Offene Tür, offenes Tor“ ein. Es besteht aus einem drei Meter hohen, schlichten Basaltrahmen mit der Inschrift „Hoyerswerda vergisst nicht – wir erinnern“. Auf der Rückseite steht „Herbst 1991“. Eingefasst ist ein Glasregenbogen. Wer ist Hoyerswerda, wer vergisst was nicht?

Am vergangenen Freitag sind etwa einhundert Personen gekommen, mindestens ein Drittel von ihnen Pressevertreter. Dazu die örtliche Prominenz aus Kultur, Politik, Bildung, Kirche sowie Vertreter von bürgerschaftlichen Einrichtungen. Eine kleine Gruppe Linker ist ebenfalls angereist. Und direkt hinter OB Skora ein halbes Dutzend sehr selbstbewusst auftretende Neonazis, die Hälfte davon Frauen. Sie tun ihr Bestes, um durch dumpfes, meist unverständliches Gebrabbel zu stören.

Einer unter ihnen sticht hervor: „Hoyerswerda“-Tätowierung am Unterarm, schwarz-rot-weiße Bekleidung mit der Aufschrift „Division Sachsen“, schwarze Sonnenbrille. Im Januar 2014 war er verurteilt worden, weil er mit mehreren anderen Rechtsradikalen ein Pärchen in der Stadt so massiv bedroht hatte, dass die beiden schließlich dauerhaft Hoyerswerda verlassen mussten. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. „Ist das hässlich“, ruft er, als Skora das Denkmal enthüllt. Die Zeremonie droht abzurutschen.

Ja, Hoyerswerda hat sich sehr lange schwer getan mit einer offiziellen Erinnerung an 1991. Erst vor drei Jahren gab es eine größere, temporäre Ausstellung zu den Ereignissen. Im selben Jahr, nicht zuletzt auf Druck der linken Initiative „pogrom 91“ wuchs die Einsicht, dass ein Mahnmal einzurichten sei. Die Stadt rief einen Wettbewerb aus, versäumte allerdings die Chance, die Bevölkerung einzubeziehen. Bis heute war die Suche nach Sponsoren wenig erfolgreich.

Der ueberfaellige Akt des Erinnerns

Nun also der überfällige Akt des Erinnerns. Er gerät nach der Rede des Oberbürgermeisters, der seine frühere Bitte um Entschuldigung bei den Betroffenen wiederholt, ins Schlingern, als die Gestalterin des Gedenkzeichens, Martina Rohrmoser-Müller, eine Steinmetzin, ihre Absichten erläutert. Das Denkmal symbolisiere sowohl Trauer (dunkler Basalt) als auch Aussöhnung/Toleranz (Glasregenbogen), sei aber als Willkommensgruß, sie betont: nur als Willkommensgruß zu verstehen. Auch wenn hier sicher der Anschluss gesucht wird an die positiven Kräfte einer Willkommenskultur, mit der die Aufnahme neuer Asylbewerber in Hoyerswerda in gute Bahnen gelenkt werden soll – es klingt eher, als ob es um ein Denkmal für Touristen ginge. Vielleicht verzerrt das rote Cocktailkleid der Sprecherin ihre Absicht.

Ein anonymer Vertreter von „pogrom 91“ rettet die skurrile Situation. Zunächst spricht er das Publikum auf die immer noch anwesenden Neonazis und deren Rolle in Hoyerswerda an, dann erinnert er als einziger ausführlich an die Vorfälle im Jahr 1991. Schließlich kritisiert er das Denkmal als zu weichgespült, nicht zuletzt durch den fehlenden Hinweis auf den fremdenfeindlichen Hintergrund und die fehlende Thematisierung der Sicht der Betroffenen.

Tatsächlich muss man ein Smartphone an den QR-Code des Denkmals halten, um zu der naiven, fast kitschigen Plastik weitere Informationen zu erhalten. Was an diesem Erinnerungszeichen irritiert, ist die Absicht, nur nichts Anstößiges zu schaffen. Und steht man in der „Offenen Tür“ und blickt geradeaus, verschwindet auch noch – buchstäblich – der direkt in der Nähe befindliche damalige Tatort Albert-Schweitzer-Straße aus dem Blick: Man könnte sehen, wie das Hochhaus gerade abgerissen wird.

Angesichts der niedrigen Zahl von anwesenden Bürgern der Stadt scheinen Vorurteile eher bestätigt zu werden: Die Mehrzahl der Einwohner möchte sich mit „1991“ nicht oder nicht mehr auseinandersetzen. Das wiederum ist erstaunlich, angesichts der Vielzahl von außerordentlich aktiven zivilgesellschaftlichen Gruppen, die sich seit Jahren kreativ und konstruktiv mit den Problemen der Stadt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beschäftigen. Mit professionellem Aufwand kümmert sich das Bürgerbündnis „Hoyerswerda hilft mit Herz“ um die inzwischen wieder in der Stadt in einer Sammelunterkunft untergebrachten Asylbewerber. Stehen hinter diesem Netzwerk nur wenige, umso engagiertere, immergleiche Aktive?

Nach 1989 hat sich in Hoyerswerda auch die offizielle Geschichtskultur verändert: Die Stadt gedenkt der Flüchtlinge, Vertriebenen, Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkriegs. Die sozialistische Heldenerinnerung hat Platz gemacht für das Opfergedächtnis. Mit dem Stigma „Hoyerswerda 1991“ zu leben, tut man sich schwer.

Quelle: fr-online.de

Bilder: Bundesweite Plakatieraktion in Erinnerung an Hoyerswerda 1991

In der Woche des rassistischen Pogroms von Hoyerswerda wurden im September in ganz Deutschland Plakate verklebt, die an die Ereignisse erinnern und auf denen u.a. zu lesen ist: “An Hoyerswerda erinnern heißt heute: ein offensiver Umgang mit Neonazis und rechter Hegemonie, eine klare Positionierung gegen jeden Rassismus, Anerkennung und Entschädigung Betroffener rechter Gewalt, Forderung der Rücknahme aller Asylrechtsänderungen von 1993 und Bleiberecht für alle!”

In über 20 Städte in ganz Deutschland wurden Plakate und begleitende Infoflyer verschickt, aus 15 Städten erreichten uns Bilder zur Aktion. Die Fotos werden auch im Rahmen von Ausstellungen auf Veranstaltungen in Berlin und Dresden gezeigt. Mehr Infos dazu bald auf pogrom91.tumblr.com.


Potsdam: Banner-Aktion beim Spiel des SV Babelsberg 03 am 12. September 2014

Erinnerung an Hoyerswerda 1991 beim SV Babelsberg 03
Fans des SV Babelsberg 03 aus Potsdam erinnerten mit einer Aktion an das rassistische Pogrom von Hoyerswerda (Quelle: turnus.net).


Anschließend starteten sie eine beeindruckende Choreo mit dem Titel “Refugees Welcome!”


Berlin


Infoladen Zittau


AKuBiZ Pirna


Bremen


Falkensee


Burgenlandkreis


Goerlitz


Kamenz


Kiel

Weitere Infos zu der Aktion auf: Indymedia Linksunten.


Finsterwalde


Dresden


Leipzig

Am 25.10. nach Leipzig zur Demonstration “Erinnern heißt Kämpfen!” – Infos gibt es auf: rassismus-toetet-leipzig.org.


Dresden: Solo Ultras


Herzogtum Lauenburg


Rostock

Die letzten beiden Fotos wurden vor dem sogenannten Sonnenblumenhochhaus in Rostock-Lichtenhagen aufgenommen, mehr Infos zum Sonnenblumenhochhaus gibt es auf: Wikipedia.

Nazis stoeren bei Denkmaleinweihung in Hoyerswerda

In Hoyerswerda wurde am vergangenen Freitag ein Denkmal in Erinnerung an die Ereignisse vom Herbst 1991 errichtet. Auf der offiziellen Veranstaltung zur Einweihung des Denkmals sprach auch die Initiative “Pogrom 91”. Die Gruppe setzt sich bereits seit 2011 für ein solches Denkmal ein, kritisierte aber die Gestaltung des Erinnerungsortes. Außerdem redeten der Hoyerswerdaer Oberbürgermeister Stefan Skora (CDU), der ehemalige sächsische Ausländerbeauftragte Martin Gillo (CDU) sowie die Künstlerin Martina Rohrmoser-Müller, welche das Denkmal entworfen hat. Während der gesamten Veranstaltung mit rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern posierten stadtbekannte Nazis mit einschlägigen T-Shirt-Motiven vor den zahlreichen Kameras, die auf die Rednerinnen und Redner direkt am Denkmal gerichtet waren. An ihnen störte sich lediglich der Sprecher der Initiative “Pogrom 91”.

Weiterlesen auf: addn.me.

Redebeitrag zur Einweihung des Denkmals an den Herbst 1991 in Hoyerswerda

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Hoyerswerda 1991: Nichts und niemand ist vergessen!

Das rassistische Pogrom von Hoyerswerda vor 23 Jahren gilt als Synonym rechter Gewalt in Deutschland nach der Wiedervereinigung. Es steht für das soziale und politische Klima einer Stadt, in der BürgerInnen und Neonazis ohne wirksame Gegenwehr und unter den Augen von Justiz und Polizei tagelang MigrantInnen angriffen, bis diese aus der Stadt gebracht wurden.

Am 17. September 1991 begann ein Mob von Neonazis die Heime der Asylsuchenden und VertragsarbeiterInnen in Hoyerswerda zu attackieren. Tagelang warfen sie Flaschen, Steine und Molotowcocktails. BürgerInnen dieser Stadt unterstützten sie zu Hunderten mit Applaus und Parolen, nur sehr wenige stellten sich dagegen. „Brennt die Bude doch ab“, „Kalaschnikow her und reinhalten“, tönte es aus der Menge. Ein Betroffener der Angriffe schilderte die Situation: „Jedes mal, wenn wir rausgehen, greifen sie uns an, wir haben Angst um unser Leben, uns hilft auch nicht die Polizei.“ Die HeimbewohnerInnen wurden schließlich aus der Stadt gebracht, teilweise direkt zur Abschiebung. Der rassistische Mob hatte gesiegt.

Noch während am 19. September 1991 in Hoyerswerda eine Scheibe nach der anderen zu Bruch ging, kam der 27-jährige Samuel Yeboah bei einem Brandanschlag auf ein Flüchtlingswohnheim in Saarlouis im Saarland ums Leben. In den folgenden 2 Jahren griffen Deutsche fast täglich Unterkünfte von Asylsuchenden an, nicht nur in den neuen Bundesländern, auch im Westen der Republik.

Die rassistischen Gewalttaten in Städten wie Hoyerswerda 1991 und Rostock 1992 wurden zum Vorwand genommen, um das Grundrecht auf Asyl faktisch abzuschaffen. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl sprach angesichts der Flüchtlinge vom drohenden „Staatsnotstand“. 1993 schrieb die Politik in Gesetze, was in Hoyerswerda und Rostock mit Molotowcocktails eingefordert wurde: die Änderung des Grundgesetzartikels 16, die einer Abschaffung des Grundrechts auf Asyl gleichkam. Dieser Vorgang wurde von einer rassistischen Medienkampagne begleitet.

Die Auswirkungen für heutige Asylsuchende und die Schwierigkeit, ein Bleiberecht zu erlangen, sind deshalb unmittelbare Folgen der rassistischen Angriffe Anfang der 1990er Jahre. Bis heute kämpfen Geflüchtete, die es nach Deutschland geschafft haben, für eine Verbesserung der Asylgesetzgebung und sehen sich auf vielen Ebenen mit Rassismus konfrontiert. Seit 2012 haben sie sich in mehreren Städten in Deutschland öffentlich Gehör verschafft – in Berlin u.a. mit der Besetzung einer Schule und des Oranienplatzes im Stadtteil Kreuzberg. Die Bundespolitik ignoriert diesen Protest weitestgehend, stattdessen wurde heute im Bundesrat das Asylrecht weiter verschärft.

Vor wenigen Minuten wurde das Denkmal in Erinnerung an 1991 eingeweiht. Damit reagiert die Stadt nach langer Abwehrhaltung auf den öffentlichen Druck von außen und auch auf eine Forderung, die von unserer Gruppe ausging. Seit 2011 setzen wir uns für ein solches Denkmal ein und haben uns auch an dem von der Stadt ausgerufenen Wettbewerb zur Denkmalsgestaltung beteiligt – offensichtlich ohne Erfolg. Drei zentrale Forderungen bleiben mit dem nun umgesetzten Entwurf weiterhin unerfüllt. Zum einen wird nach wie vor nicht klar benannt, dass es sich bei den Ereignissen vom Herbst 1991 um ein rassistisches Pogrom handelte. Zum anderen spielt die Situation der Betroffenen weiterhin kaum eine Rolle im Umgang der Stadt mit den Geschehnissen. Außerdem wird das Denkmal in dieser Gestaltung kaum zur Auseinandersetzung mit den Ursachen wie Rassismus und Sozialchauvinismus beitragen. Warum wurde das Denkmal dann überhaupt aufgestellt? Wir denken: weil sich die Stadt in erster Linie selbst ein Denkmal setzen wollte.

Dabei wäre eine Auseinandersetzung mit den Ursachen und Folgen von Hoyerswerda 1991, mit seinen TäterInnen und Betroffenen dringend notwendig. Schließlich sind rassistisch motivierte, feindselige Einstellungen gegen Asylsuchende auch im Jahr 2014 eine Gefahr. Im nur wenige Kilometer entfernten Bautzen demonstrierten vor wenigen Wochen 600 Menschen unter Führung der NPD gegen eine neue Unterkunft für Geflüchtete. Auch in Hoyerswerda leben seit 2013 wieder Asylsuchende in einer Sammelunterkunft. Sie berichteten uns zwar von vereinzelter Unterstützung aus der Bevölkerung, aber auch von einem Klima der Ablehnung und des alltäglichen Rassismus. Aber davon wollen die wenigstens hier und heute etwas wissen. Genausowenig, wie kaum jemand daran Anteil nahm, dass vor zwei Jahren ein junger Mann und eine junge Frau mit Gewalt von Nazis aus der Stadt vertrieben wurden, weil sie antifaschistisch aktiv waren und die Polizei sie nicht effektiv genug schützen wollte.

Für die Auseinandersetzung mit dem rassistischen Pogrom von Hoyerswerda 1991 ist deshalb eine grundlegende inhaltliche wie optische Umgestaltung des heute errichteten Denkmals dringend notwendig. Dafür stehen wir gern als AnsprechpartnerInnen zur Verfügung.

An Hoyerswerda 1991 zu erinnern heißt heute, 23 Jahre nach dem rassistischen Pogrom: ein offensiver Umgang mit Neonazis und rechter Hegemonie, eine klare Positionierung gegen jeden Rassismus, Anerkennung und Entschädigung Betroffener rechter Gewalt, Forderung der Rücknahme aller Asylrechtsänderungen von 1993 und Bleiberecht für alle Asylsuchenden in Deutschland!

Pressemitteilung: Kritik an Denkmal der Stadt Hoyerswerda an Herbst 1991 - Rebebeitrag bei Eroeffnung

Am morgigen Freitag wird in Hoyerswerda ein Denkmal in Erinnerung an die Ereignisse vom Herbst 1991 errichtet. Es geht auf eine Forderung der Initiative “Pogrom 91” zurück, die sich seit 2011 für einen Ort der Erinnerung in Hoyerswerda einsetzt, u.a. mit zwei Demonstrationen und bundesweiten Infoveranstaltungen. Die Stadt Hoyerswerda hatte daraufhin einen Wettbewerb zur Gestaltung des Denkmals ausgerufen, an dem sich auch “Pogrom 91” beteiligte. Die Gruppe kritisiert den Entwurf, der umgesetzt wird:

"Drei zentrale Forderungen, die wir mit einem Denkmal erreichen wollten, bleiben unerfüllt. Zum einen wird nach wie vor nicht klar benannt, dass es sich bei den Ereignissen vom Herbst 1991 um ein rassistisches Pogrom handelte", kommentierte Mathias Buchner von "Pogrom 91". Zum anderen spiele die Situation der Betroffenen weiterhin kaum eine Rolle im Umgang der Stadt mit den Geschehnissen, so Buchner. Er ergänzte: "Außerdem wird das Denkmal in dieser Gestaltung kaum zur Auseinandersetzung mit den Ursachen der mehrtägigen Angriffe beitragen – insbesondere mit Rassismus, einem bis heute in der Gesellschaft weit verbreitetem Problem."

Das rassistisch motivierte, feindselige Einstellungen gegen Asylsuchende auch im Jahr 2014 eine Gefahr sind, zeigt sich im nur wenige Kilometer entfernten Bautzen. Dort demonstrierten Ende August 600 Menschen unter Führung der NPD gegen eine neue Unterkunft für Geflüchtete. Auch in Hoyerswerda leben seit 2013 wieder Asylsuchende in einer Sammelunterkunft und berichteten gegenüber „Pogrom 91“ von einem Klima der Ablehnung und alltäglichen Rassismus, auch wenn es vereinzelte Unterstützung aus der Bevölkerung gäbe.

Die Initiative “Pogrom 91” erinnert in diesem Jahr mit einer bundesweiten Plakataktion an die Ereignisse vom Herbst 1991. In über 20 Städten in ganz Deutschland werden in der Woche des rassistischen Pogroms Gedenkplakate verklebt. Auf ihnen heißt es u.a.: “Nichts und niemand ist vergessen! An Hoyerswerda erinnern heißt heute: ein offensiver Umgang mit Neonazis und rechter Hegemonie, eine klare Positionierung gegen jeden Rassismus, Anerkennung und Entschädigung Betroffener rechter Gewalt, Forderung der Rücknahme aller Asylrechtsänderungen von 1993 und Bleiberecht für alle!”

Das Denkmal wird am Freitag, den 19.09., um 16 Uhr am Kreisverkehr in der Nähe des Lausitz-Towers in der Hoyerswerdaer Neustadt eröffnet. “Pogrom 91” wird auf der Veranstaltung einen Redebeitrag verlesen.

Zum Denkmal an 1991 in Hoyerswerda: Versteinertes Versagen - Tuer zu

Am kommenden Freitag wird in Hoyerswerda ein Denkmal in Erinnerung an die Ereignisse vom Herbst 1991 errichtet. Die Initiative “Pogrom 91” fordert ein solches Denkmal schon seit 2011, hat jedoch deutliche Kritik am Entwurf der Stadt Hoyerswerda, der nun umgesetzt wird. Dazu veröffentlichten wir bereits 2013 den Text “Versteinertes Versagen – Tür zu”.

21 Jahre nach den pogromartigen Ausschreitungen gegen die Wohnunterkünfte von Asylsuchenden und VertragsarbeiterInnen soll nun in Hoyerswerda ein dauerhaftes Denkmal an die rassistische Gewalt entstehen. Anstatt jedoch an die Betroffenen von damals zu erinnern und sich einer kritischen Aufarbeitung und der eigenen Rolle zu widmen, lässt sich die Stadt eine “Offene Tür” als Symbol für ihre “Gastfreundschaft” zimmern.

Hier weiterlesen: pogrom91.tumblr.com/versteinertes-versagen.

23. Jahrestag des rassistischen Pogroms von Hoyerswerda - Aufruf zu bundesweiter Plakatieraktion (Update 13.09.)

In wenigen Tagen jährt sich zum 23. Mal das rassistische Pogrom von Hoyerswerda. Im September 1991 griff ein Mob von Neonazis und vermeintlich „ganz normalen“ BewohnerInnen der Stadt über mehrere Tage die in Hoyerswerda lebenden DDR-VertragsarbeiterInnen aus Mosambik und Vietnam sowie Asylsuchenden an. Die Betroffenen erhielten nur wenig Schutz und Unterstützung – sie mussten die Stadt verlassen.

Jedes Jahr erinnern wir, die Initiative „Pogrom 91“, an das rassistische Pogrom und die Situation der Betroffenen. In diesem Jahr brauchen wir dafür eure Unterstützung.

Geplant ist eine bundesweite Plakatieraktion. Wir bereiten Erinnerungsplakate vor und schicken sie euch in eure Stadt. In der Woche des rassistischen Pogroms sollen in ganz Deutschland die Plakate verklebt werden. Wir würden uns freuen, wenn uns aus jeder Stadt Fotos mit den verklebten Plakaten erreichen, die wir veröffentlichen können. Im Oktober planen wir eine kleine Ausstellung mit den Motiven im Rahmen von Infoabenden in Dresden und Berlin.

Parallel dazu schicken wir euch mit den Plakaten einen für den Jahrestag vorbereiteten Infoflyer mit einem Hintergrundtext sowie Interviews zu, die ihr in eurer Stadt verteilen könnt.

Seid ihr dabei? Dann schickt uns bitte zeitnah eine Postadresse, an die wir das Material senden können. Selbstverständlich können wir sicher und verschlüsselt über E-Mail per PGP kommunizieren – unseren Key findet ihr auf der Seite Kontakt.

Das ist unser Zeitplan: nach eurer Zusage bekommt ihr ca. am 16.09.2014 die Plakate und Flyer; dann könnt ihr ab 17.09.2014 mit dem Plakatieren beginnen (die Erinnerungsaktion fällt genau in die Woche des Pogroms), bis allerspätestens 28.09.2014 solltet ihr uns eure Fotos aus eurer Stadt schicken (Handyfoto-Qualität reicht aus); am 29.09.2014 veröffentlichen wir die Ergebnisse der Aktion auf unserer Homepage und linken Onlinemedien.

Wir freuen uns auf kreative und außergewöhnliche Fotos von euren Plakataktionen – wir laden die Gruppe mit dem besten Motiv zu einem Wochenend-Ausflug nach Hoyerswerda ein. Dort gibt es dann eine Stadtführung für euch von uns zum Thema September 1991.

P.S.:

Diese Aktion ist natürlich kein Aufruf zum Plakatieren an Orten, an denen dies nicht erlaubt ist. Achtet bei den Fotos darauf, dass keine Personen und/oder auffällige Kleidungsstücke zu erkennen sind.

UPDATE+++UPDATE+++UPDATE

Die Plakate und Infoflyer sind verschickt, sie gingen an über 20 Städte in ganz Deutschland, wir freuen uns über eure Bestellungen! Alle, die uns bis Samstag, den 13. September eine Mail geschrieben haben, bekommen ein Infopaket.

Für alle Anderen heißt das leider, dass ihr keine neuen Plakate und Flyer mehr bei uns bestellen könnt. Aber – hier ist ein Link zum Download des Flyers und des Plakats als PDF-Datei: http://we.tl/P8xJVRtmcd . Damit könnt ihr euch beides selbst ausdrucken und kopieren. Auch wenn ihr “nur” mit selbstkopiertem Material unterwegs seid, freuen wir uns auf kreative und außergewöhnliche Fotos von euren Plakataktionen – wir laden die Gruppe mit dem besten Motiv zu einem Wochenend-Ausflug mit Stadtführung zu den Ereignissen vom Herbst 1991 nach Hoyerswerda ein und zeigen die besten Fotos im Rahmen von kleinen Ausstellungen in Dresden und Berlin.